Erkrankung und Familie

Es ist ein schwerer Schlag,  wenn man die Diagnose Multiple Sklerose bekommt.  Es bricht für einen selbst erstmal die Welt zusammen.  Der Gedanke,  unheilbar krank zu sein,  wiegt schwer und es dauert eine ganze Weile,  bis man eine  klaren Gedanken fassen und nach vorne blicken kann.  Dies ist aber die Sicht eines Erwachsenen.  Wie sieht es da mit den Kindern aus?  Aus eigener Erfahrung weiß ich,  dass die Kinder schwer daran zu tragen haben. Meine Tochter jedenfalls tat sich extrem schwer mit der Situation. Papa lag in Krankenhaus und sie besuchten mich so oft es ging.  Doch jedes mal brach meine Tochter in Tränen aus.  Sie will nicht,  dass es Papa schlecht geht.  Das schmerzt,  wenn man seine Kinder so sieht, mir der Sorge in den Augen.  Sie sind zu klein,  um solch ein Leid erfahren zu müssen. Die Abschiede taten ihr übriges dazu und so war es immer mit vielen Tränen verbunden. Was für Narben dies auf einer so jungen Seele hinterlässt,  zeigte sich Monate später,  als wir nur zum abholen meiner MRT-Bilder ins Krankenhaus fuhren.  Wir kamen in der Röntgenabteilung an und plötzlich stand meine Tochter da,  schluchzend und nur schwer zu beruhigen mit den Worten „ich will nicht,  dass du ins Krankenhaus musst!“

Erst in diesem Moment verstand ich,  wie extrem diese Narben,  diese Ängste waren.  Es brach mir das Herz und warf zugleich die Frage auf,  wie man die Kinder denn auf so etwas vorbereiten könnte um den Kummer erst garnicht aufkommen zu lassen.  Aber es geht nicht.  Man kann die Kinder nicht raus haltenhalten,  ganz egal,  was man auch versucht. Man muss mit Ihnen  reden,  sie behutsam hinführen zu diesem Thema.  Warum muss Papa so oft zum Arzt,  wieso muss er so viele Medikamente nehmen und wieso ist Papa immer so Müde?  All diese Fragen vor es behutsam zu bearbeiten.. Gemeinsam! In solch einem Fall kann man nicht mit nüchternen Daten und Fakten ums Eck kommen, wie es der Arzt mit einem Erwachsenen macht.  Da kommt selbst ein erwachsener Mensch ins wanken,  wenn er knallhart konfrontiert wird.  Wie also soll erst ein Kind darauf reagieren? Klar.  Kasperletheater und Co sind vielleicht ne Möglichkeit,  aber zielführend?  Wohldosiert muss es sein. Eventuell nur einzelne Bereiche behandeln und nicht gleich die volle Dröhnen,  da die Kinder sonst zu machen.

Ein Wasser Glas kann eben nur bis zum Rand Flüssigkeit aufnehmen,  alles weiter läuft über.  Dieses Prinzip trifft auch auf Kinder zu.  Will man es nun Schutzfunktion nennen,  oder sonst wie,  jedenfalls hat es durchaus seinen Sinn,  dass Kinder so  reagieren um sich selbst unterbewust zu schützen.  Erwachsene erleben es ähnlich und jeder dürfte diese Situation kennen.  Es dürfte also tatsächlich zweckmäßiger sein,  immer  nur mal einzelne Themen dieses großen Ganzen zu erklären. Zugegeben,  ich habe eine Vorteil,  da mein Sohn ebenfalls chronisch krank ist und schon einiges durch hat.  Solche Themen sind ihm nicht fremd und er versteht einiges besser. Auch als ich im Krankenhaus war,  ist es für ihn kein großes Problem gewesen.  Er weiß,  im Krankenhaus wird einen geholfen, es ist also was gutes.  Das hilft mir auch es meiner Tochter verständlicher zu machen,  weil er es ihr auf seine Weise erklären kann.  Dies war auch gut so und immer dann,  wenn die Kids fragen haben,  wird sich die Zeit genommen und das ganze dann erklärt.  Wir fahren gut mit dieser Methode und ich kann es jedem nur ans Herz legen.  Nicht vertrösten,  nicht abweisen, Zeit nehmen!  Nichts kann in diesem Moment wichtiger sein!

Eins noch…. Es kommt natürlich immer auch auf das Kind an,  wie es psychisch beschaffen ist.  Eventuell ist man selbst garnicht geeignet, solche Themen zu behandeln,  weil man selbst Angst davor hat oder gar nichts davon an sich ran lassen mag. In diesem Fall rate ich,  den Kinderarzt bzw.  einen Kinderpsychologen im Rat zu fragen. Es reicht manchmal aber auch schon eine Person,  der das Kind vertraut.

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