Zeitraffer

Wenn man sich sein eigenes Leben so ansieht,  seine Kindheit,  was alles passiert ist,  was man geschafft hat,  kann man verflucht stolz auf sich sein!  Dem Tod von der Schippe gesprungen,  und immer das Beste aus sich heraus geholt.  Trotzdem schwingt ein wenig panische Verstimmung mit. Aber schauen wir mal… Ich kann behaupten,  daß ich eine gute Kindheit hatte.  Es mangelte an nichts,  wir waren kreativ im Spiel, entdeckerfreude war uns ebenfalls geschenkt und es gab kaum ein eine  Tag,  wo uns nicht, dank unserer Phantasie, tolle Spielmöglichkeiten einfielen. Kaum ein  Baum war unbezwingbar,  kein Hang zu steil. Angeln aus alten Kassettenbändern gebaut,  logischerweise nichts gefangen,  aber eine Menge Spaß gehabt.  Ja,  wir waren Helden,  immer die,  die wir gerade sein wollten,  ob Astronaut oder Polizist.  Völlig egal, denn der Kinofilm spielte sich dabei schon damals in 3D und Dolby souround in unseren Köpfen ab. Keiner könnte es besser und niemand konnte uns etwas. Einfach Helden!

Die Zeit lief zu der damalige  Zeit konstant und langsam. An manchen Tagen gewiss zu langsam,  aber  das sollte nicht weiter stören.  Die Ferien wurden ausführlich genutzt.  Ferienpass fürs Freibad,  Radtour etc.  Alles war gut und  irgendwann kam die Jugend,  die erste Liebe,  damals schon was ganz besonderes,  weil sie direkt über einige Jahre hielt. So lange etwa,  bis der Wunsch nach Veränderung kam.  Nicht von mir,  sondern von ihr.  Ich wurde gerade erwachsen,  bekam meinen Führerschein und  die Welt stand plötzlich offen. Aber es standen  Wünsche  im Raum wie Familie umd Zusammenziehen. Ich war zu diesem Zeitpunkt noch ein Kindskopf und meine Freundin im Kopf schon wesentlich weiter. Es hatte nicht sollen sein und man trennte sich im Guten. Die Lehre war zu Ende,  Bundeswehr war zu dem Zeitpunkt noch aktuell und so wurde ich eingezogen.  Zehn Monate Wehrdienst standen an.  Es hat mir Spaß gemacht,  ich durfte an Hubschraubern arbeiten und entschloss mich zu einer Verpflichtung. Während diesem Prozedere wurde ich krank. Schlimme Bauchschmerzen plagten mich und meine Eltern brachten mich ins Krankenhaus.  Bauchspeicheldrüsenentzündung,  acht Wochen Krankenhausaufenthalt. Die Verpflichtung war dahin,  der Plan im Eimer und so wurde sich nach dem ausscheiden neu orientiert. Neue Beziehung, neue Arbeit,  erste eigene Wohnung.  Klasse…  Die Wohnung war ok, die Frau eine Katastrophe und der Job Schrott! Egal…  Das Leben geht weiter. Diesmal allerdings drehte sich der Erdball gefühlt schon etwas schneller als zuvor.

Ein erneuter Arbeitswechsel,  das zwischenzeitliche unterschlupfen im Elternhaus,  und plötzlich die Liebe,  auf die ich nicht gewartet habe,  mit der ich nicht gerechnet hatte und nun schon 14 Jahre verheiratet bin. Unsere beiden Kinder mittlerweile 12 und 10, wundervoll wie sie sind! Trotz der vielen Operationen  unseres Sohnes.  Ein Prachtkerl! Meine Tochter, welche ihren Papi immer um sich braucht,  so wie ich meine Kinder ebenfalls um mich brauche. Meine Frau,  welche mir das wichtigste ist. Ich habe allen Grund glücklich zu sein.  Die Planung für die Zukunft steht und im Hinterkopf die Gewissheit,  dass die Erde jetzt scheinbar einen Gang hochgeschalten hat.  Sie dreht sich schnell…. Es folgte eine Depression,  beinahe hätte ich alles aufs Spiel gesetzt.  Meine Ehe,  mein Leben,  einfach alles. Glück war dass meine Frau trotz allem zu mir stand und mir half.  Der Psychologe der mich behandelte,  und Zeit damit umzugehen,  zu lernen,  mich neu kennenzulernen. Dazu kam nach eine  Weile noch die Diagnose MS…  Krankenhausaufenthalte,  Reha,  Ärztemarathon,  und wieder ein tiefes Loch. Nun drehte sich die Erde richtig schnell. Die Zeit verging wie im Flug.  Die Monate rasten an mir vorbei. Bis heute….  Heute sehe ich auf 39 Jahre zurück und frage mich,  wo die Zeit hin  ist.

Es gilt nun zu entschleunigen. Den Gang rauszunehmen.  Langsam zu tun.  Zu genießen. Das will ich machen,  mit allem was dazu gehört,  denn  ich bin es mir wert!

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