Ein seltsames Gefühl

Heute früh, habe ich entgegen meiner Gewohnheit, seit langem mal wieder eine Arbeitshose angezogen, zumal ich sonst immer in Jeans zur Arbeit ging.  Seit dem ich aber die Abteilungsleitung nicht mehr inne habe, muss man sich daran gewöhnen, sich gemäß der Stufe tiefer, wmit Tätigkeiten zu beschäftigen, die einen bis zu dem Zeitpunkt nicht mehr betrafen.
Gut, ich habe damit in so fern kein Problem, weil mir es durchaus entgegen kam, Verantwortung abzugeben. Es fühlt sich für mich nun leichter an.  Aber trotzdem ists seltsam, weil man jahrelang auf etwas hingearbeitet hat, was dann krankheitsbedingt aufgegeben werden musste. Man muss gar aufpassen, dass man sich damit nicht zu sehr beschäftigt, weil man sich herabgesetzt fühlt.  Blödsinn! Es war richtig!

Jetzt habe ich den Kopf frei für Dinge, die mir am Herzen liegen,  die mir wichtiger Sind. Die Familie, um sie als erstes anzuführen, aber vor allem die Schreiberei, die Seite im Netz und die Menschen, denen ich damit helfen kann. Ich kann im Beruf kürzer treten, um meiner Berufung nachzukommen. Und das ist wunderbar! Aus dieser Sicht, wirkt es gleich nicht mehr wie ein Verlust. Und so habe ich weiterhin Gelegenheit, euch mit meinen geistigen Ergüssen zu beehren

Ein paar Gedanken

In einer Tour, ohne dass es wirklich mal ganz aufhört und einen verschnaufen lässt, ärgern einen die Schmerzen. Ob ich geh, sitz oder liege, immerzu habe ich sie. Ein Stück weit gewöhnt man sich daran, aber es zermürbt einen trotzdem. Nach einer kurzen Therapiepause, riet mir der Neurologe aus der MS-Ambulanz, anhand der aktuellsten MRT Bilder, wieder eine Therapie zu beginnen. Da ich wieder einige Läsionen im Kopf habe. Diesmal ist es Gilenya, zumal ich da hauptsächlich nur gute Erfahrungsberichte bekommen habe. Also begab ich mich für eine Nacht ins Krankenhaus, um die Ersteinnahme unter Überwachung durchzuführen. Dabei stellte sich aber heraus, dass bei mir die Weiterleitung des Impuls zum Herzschlag zu langsam ist, weshalb ich noch eine weitere Nacht im Krankenhaus verbringen musste. Das Wochenende war somit gelaufen, aber das Medikament rockt! Damit es nicht langweilig wird, hab ich auch noch ein Hilfsmittel bekommen. So besitze ich jetzt also einen Gehstock, kann auf Dr.House machen und anderen mit Sarkasmus den Tag versüßen. Den Rolli wollte ich mir noch nicht verschreiben lassen, was auch mein Hausarzt berührwortet. Ich mach mich da aber nun nicht verrückt, nehme es an und mache das beste daraus.

An meinen neuen Buch geht es auch voran. Es macht unheimlich viel Spaß diese Geschichte zu erzählen, sorgt aber teils für Gänsehaut, wenn man diese ganzen Erlebnisse im Kopf nochmal durchspielt und aufs neue erlebt. Ein sehr intensives Gefühl, welches aber in das Geschriebene mit einfliest. Ich hoffe sehr, dass der Leser dann, wenn auch nur ansatzweise, das nachfühlen kann, was ich damals empfand. Von Seite zu Seite wächst das Buch, entsteht die Geschichte und steigt die Freude darüber.

Ich werde weiter berichten wenn es neues gibt, nur seid mir nicht böse, wenn momentan etwas weniger zu lesen ist. Ich arbeite aber daran, dass es besser wird. Ach ja..  Noch was…  Es wird eine neue Homepage geben. Werde meine Autoren-Homepage mit dem WordPress-Blog zusammenführen und künftig mit allen Texten und Berichten füllen, wie es auch schon auf Facebook der Fall ist.  Ihr dürft ja mal raten, wie die Homepage heißen wird…

Meine Depression

Durchs Leben gehen und das Gefühl haben, nicht wahrgenommen zu werden. Das Leben um einen herum scheint problemlos zu funktionieren, alle scheinen glücklich und zufrieden. Neid kommt in einem auf und die Gedanken im Kopf werden immer düsterer.  Selbstzweifel und Selbsthass finden Nahrung in diesen Gedanken. Es fühlt sich anfangs noch schmerzhaft an.  Diese Gedanken brennen, sie verletzen, was dazu führt, dass sich die Gedanken, die einst dazu führten, nur noch mehr verstärken. Man beginnt nichts mehr wahrzunehmen, selbst in der eigenen Familie steht man einer positiven Stimmung eher hilflos und in seiner eigenen Welt gefangen gegenüber. Aber man lernt! Schauspielerische Fähigkeiten werden zu Tage gefördert und man beginnt allmählich damit sich eine Maske zu modelieren. Lächeln, Freude, Spaß, all das rein mechanisch und emotionslos erzeugt, während man im selben Moment innerlich schreit und weint.

Es fehlt einem jeglicher Bezug zur Realität, Liebe, Leid, Freude etc.  All das ist unerreichbar, weil man in seinem Denken verhaftet ist.  Die Gefühle und die Angst, nichts wert zu sein, nichts zu können werden von mal zu mal stärker, wachsen zu bedrohlichen Dämonen im Kopf heran und schüchtern ein. Auf der Arbeit gelingen einfache Handgriffe nicht mehr wie gewohnt, man plagt sich um irgendwie einen einigermaßen klaren Gedanken zu fassen. Dieses mentale Problem schlägt sich auch physisch nieder.  Müde, ausgelaugt und kraftlos, überlegt man Morgens, ob das Aufstehen überhaupt noch einen Sinn macht, denn alles hat seinen Sinn und seinen Reiz verloren. Wie eine Marionette an Fäden hängend, lässt man jeden Tag aufs Neue über sich ergehen. Die Kollegen welche keinerlei Notiz von einem nehmen, haben plötzlich hässliche Fratzen, grinsen gemein und lachen über einen. Dass dies nur in meinem Kopf stattfindet, wird mir garnicht mehr bewusst. Alle tuscheln miteinander über mich. Auf der Arbeit, im Laden, egal wo. Es ist schrecklich und mittlerweile fühlt sich an, als stecke man bis zum Hals im Treibsand fest.

Suizidale Gedanken machen sich breit. Man denkt anfangs, wie es wohl wäre, wenn man nicht mehr da wäre. Alle hätten es gewiss einfacher, wenn ich Klotz am Bein nicht mehr da wäre. Was anfänglich noch flüchtige Gedanken sind, festigt sich durch kleine Fehler, die im Alltag passieren, wo keiner sonst einen großen Gedanken daran verschwenden würde und lassen es schon beinahe wie einen Wunsch klingen, lieber nicht mehr sein zu wollen.
Man läuft nach der Arbeit wie jeden Tag zum Bus, mit den Kopfhörern auf dem Kopf, bei voller Lautstärke um die Gedanken zu übertönen, während man bei einem achtlosen, gedankenversunkenen Wechsel auf die andere Straßenseite vor einen Lieferwagen läuft, welcher eben noch zum Stehen kommt. Der Fahrer sichtlich geschockt, aber mir fehlt dazu jegliche Emotion. Es war mir gleichgültig!

Die schlimmste Phase ist aber,  wenn man so weit und so tief in der Depression steckt, dass man verzweifelt versucht, noch etwas zu spüren. So führte es bei mir dazu,  dass ich einer anderen Frau ins Netz ging.  Es tat anfangs gut, wurde aber zur Qual und letztlich zerstörte es fast noch meine Ehe. Meiner Frau ist es zu verdanken, dass sie rechtzeitig die Reißleine zog.

Spätestens da wurde mir bewusst, dass ich Hilfe brauche, professionelle Hilfe. Diese fand ich und ich bin sehr dankbar dafür, weil ich denke, dass ich sonst heute nicht mehr existieren würde. Ich wäre aber nicht ich, hätte ich selbst daraus nicht noch etwas positives gezogen. So veränderte sich, auch durch die danach diagnistizierte Erkrankung MS, mein Leben grundlegend. Ich liebe, ich lebe und ich vergebe. Ich helfe gerne und schätze das Leben. Also wurde doch noch alles gut.  Meinen größten Dank dafür, gebe ich an meine Frau und an meinen Psychologen Dr. Tom, denn ohne diesen alten verrückten Iren, hätte ich das nicht geschafft!

Behindert?

Was ist schon eine Behinderung? Nicht laufen können? Nicht greifen, sehen oder hören können? Oder sich gar nicht mehr bewegen zu können? Ja… Das sind körperliche Behinderungen. Auch Geistige Behinderungen sind stark beeinträchtigend, keine Frage. Es bedeutet in jedem Fall eine große Einschränkung und bedarf einer großen Portion Lebensmut, um nach vorne Blicken zu können. Menschen mit Behinderung sind, wie ich selbst schon feststellen konnte, mental stark. Sie sind so voller Lebensfreude, Toleranz und Liebe, dass man nur staunen kann. Wie kann es sein, dass jemand so stark beeinträchtigt ist und trotzdem so viel Freude ausstrahlt und so zufrieden wirkt? Es liegt an der Einstellung zum Leben. Diese ändert sich, weil man sich selbst neu kennen lernt, neue Fähigkeiten erlernt und ein großes Maß an Freude, Lebensmut und Empathie entwickelt.

Es gibt aber auch eine Behinderung, da gibt es keinen Behindertenausweis dafür. Diese nennt sich Ignoranz. Man kann nur hoffen, dass Menschen mit dieser Behinderung Heilung erfahren und ebenfalls in den Genuss des Denkens und Fühlens kommen, wie unsereins es erlebt. Ich bin behindert, ja… Aber ich empfinde es als keine Last. Ich bin dankbar, dass mein Geist dadurch solch eine Veränderung erfuhr, dass ich diese Zeilen schreiben konnte.

Unendlich…

Unendlich endlich, oder endlich unendlich? Eine gute Frage, welche mich zur Zeit beschäftigt. Möchte man immer nur drüber nachdenken wie endlich das Leben ist und in Panik und Angst leben, irgend etwas zu verpassen? Oder möchte man im Geiste nicht lieber unendlich sein? Anstatt sich ständig mit den Fragen nach dem Sinn seines Daseins zu quälen, sollte man sein Leben genießen, sich selbst schätzen!Lange genug quälte ich mich mit dieser, wie ich finde, falschen Denkweise.  Tag ein, Tag aus immer der gleiche Trott, die gleichen Gedanken und die Unsicherheit, weil man zu sehr darauf bedacht war, was andere wohl über einen denken. Was aber bringt es einem, wenn man es weiß? Eigentlich nichts! Man sucht lediglich Bestätigung, weil man nicht in der Lage ist, sich selbst einzuschätzen, gar sich selbst zu lieben, wie man ist. Aber ist man sich erst einmal seiner selbst bewusst, ist man im Stande, etwas zu leisten, was man sich bislang nicht zutraute, oder wovon man gar aus Angst zu versagen Abstand nahm.

Dabei sind wir einzigartig, besonders und jeder für sich individuell. Stärken und Schwächen zeichnen uns aus, wobei manche Schwäche bei genauerer Betrachtung eher als Stärke angesehen werden kann. Weil sie einen wachsen  und stark werden lässt! Ich sehe bei all dem was ich erlebe, immer die Chance, zu reflektieren, etwas neues über mich zu lernen. Das lässt entspannter und gelassener werden, macht zufrieden und letztlich trägt es dazu bei, glücklich zu sein.Eben diese Denkweise möchte ich gerne auch anderen näher bringen, die an sich selbst zweifeln, denn es gibt nichts schlimmeres, als sich seiner selbst und seinen Fähigkeiten nicht bewusst zu sein. Hat man das Vertrauen an sich selbst und an seine Möglichkeiten erst einmal entdeckt, ist der Geist unendlich! Und alle Zweifel sind somit endlich!