Mein Bestreben

Wie in einem vorhergehendem Text beschrieben, beobachte und analysiere ich gerne mein Umfeld und es ist erstaunlich was für Erkenntnisse man daraus ziehen kann. In der Zeit während meiner Psychotherapie, habe ich sehr viel über mich und vor allem von mir gelernt. Das trug vor allem dazu bei,  zu einen späteren Zeitpunkt mit meiner hinzugekommenen Erkrankung umzugehen . Es war anfangs nicht leicht, wurde aber mit jedem Mal  einfacher. Man lernt vor allem Geduld, welche im Umgang mit der neuen Situation enorm wichtig ist, schon allein der Genesung wegen. Aber auch um sich dabei ohne Druck und selbst erzeugtem Stress neu zu orientieren. Denn einen Weg zu finden, mit seiner Erkrankung klarzukommen ist der erste wichtige Schritt in ein neues den Umständen entsprechend angepasstes Leben. Diese Erkenntnis, einige Misserfolge und der sich letztlich eingestellte Erfolg, regten mich dazu an, darüber nachzudenken, wie man dieses Gefühl, diese Anleitung weitergeben könnte.

Ich entschied mich aus diesem Grund dazu, eine Seite im sozialen Netzwerk Facebook zu erstellen um anderen Erkrankten, deren Angehörigen und Freunden diese Denkweise näher zu bringen, um auch sie daran teilhaben zu lassen. Gemeinsam stärken finden, die positive Gedanken hervorbringen und so ein neuer Weg mit der Erkrankung im Gepäck eingeschlagen werden kann. Menschen zu helfen und wenn auch nur mit so etwas kleinem, ist mir ein Bedürfnis und eine Freude. Deshalb lege ich auch seit geraumer Zeit Wert auf Austausch, weswegen es dazu noch drei Facebookgruppen gibt, die ich unterhalte, sowie eine Website mit dem Namen WellenLeben und mein erstes Buch mit dem Titel Autoimmune Gedankenwelt. Ich hoffe, dass ich noch viele Menschen erreiche, die Angst vor multiple Sklerose nehmen, die Stigmatisierung bei psychischen Erkrankungen bekämpfen und so Menschen helfen kann, leichter damit zu leben und Außenstehende eine andere Sichtweise bekommen. Das ist es, wofür ich das alles tue.

Beobachtungen

Es ist faszinierend, wenn man sich an einem Ort aufhält, wo viele Menschen versammelt sind. Wenn man Spaß daran hat, die Menschen zu beobachten, sie anhand ihres Verhaltens zu analysieren, ist das ein wahrer Pool an Erkenntnissen die man daraus ziehen kann. Dabei spielt das Geschlecht und das Alter erstmal weniger eine Rolle.  Eher ist es interessant, wie sich die Menschen präsentieren, wenn sie kommunizieren mit dem Partner oder jemand Fremden.  Mimik und Gestikulation ist dabei sehr aufschlussreich. Das alte Ehepaar, welches mitten in diesem hektischen, doch recht lauten Getümmel sitzt, sich bei der Hand hält und das Stück Kuchen genießt. Sie unterhalten sich ganz ruhig, lassen die Blicke schweifen und besprechen scheinbar die Eindrücke, welche sie sammeln. Es ist schön anzusehen, wie harmonisch die beiden miteinander sind. Gar fürsorglich sind sie im Umgang miteinander und man kann daraus lesen,  dass sie ihr ganzes Leben respektvoll und auf Augenhöhe miteinander verbracht haben.
An einem Nebentisch sitzen junge Frauen. Sichtlich ausgelassen bei ihrem Latte Macchiato und haben Spaß.  Man kann in ihre Unterhaltung, anhand ihrer Mimik reininterpretieren, das es wohl um Jungs gehen mag.  Dies ist aber nur eine Vermutung, was auch nicht wirklich eine Rolle spielt.  Sie sind ausgelassen, haben Spaß und sind glücklich für diesen Moment. Auf den Gängen, rund um die Tische herrscht wildes Treiben, beinahe anmutend  wir ein Ameisenhaufen, marschieren Tabletts in alle Richtungen einem Ziel folgend,  die Leckereien dieses Restaurants zu genießen. Unterhaltungen werden geführt und wie es das Gesetz so will,  versucht jeder vernünftig verstanden zu werden,  weshalb einer den nächsten übertönt und der Lärmpegel dadurch beträchtlich steigt. Es ist so und daher macht man sich deswegen keine Gedanken.
Ein kleiner Junge eilt sichtlich Stolz zu seinen Eltern mit einer Eistüte in der Hand. Er dürfte maximal 5 gewesen sein, wobei ich denke, dass er jünger war.  Er hat sich sein Eis ganz alleine gekauft.  Eine tolle Leistung im anbetracht dessen, dass an der doch sehr langen Theke viele Erwachsene Menschen anstanden.  Der Kleine hat sich behauptet, ein wichtiger Schritt der später mal seine Vorteile offenbart,  wenn er Ellenbogen beweist und sich im Job durchsetzen kann.
Es gab aber auch viele Gesichter die eher traurig oder gedankenversunken wirkten, egal was es auch ist,  dass diese Menschen so sehr bedrückt, es hindert sie daran ihre Umgebung wahrzunehmen zu genießen und zu beobachten.
Ich bin mehr als froh darüber, dass mir diese Fähigkeit zuteil wurde, aufmerksam und tolerant durchs Leben zu gehen.  Im denke das hat Gott gelenkt! Dafür danke ich!

Ein tapferer junger Mann

Es ist mal wieder so weit, wir sitzen im Krankenhaus und warten, dass mein Sohn dran kommt. Ein kleiner Eingriff, quasi eine vorbereitende Maßnahme für den Eingriff in  drei Wochen. Es steht wieder eine Entfernung von Nierensteinen an. Da er mit seinen zwölf Jahren schon zu den Großen zählt, ist sein Eingriff erst etwa mittags geplant.  Nun sitzt er, seit er heute früh aufwachte nüchtern da und erträgt Hunger und Durst ganz tapfer.
Seit elf Jahren geht das ganze nun, das Klinikum ist schon fast unser zweites Zuhause und man kennt das Personal beim Namen. Jedesmal wenn wir hier her kommen, hören wir wieder eine der Schwestern „Ach, der Jonas. Meine Güte bist du gewachsen!“ dies macht das Ganze dann doch etwas erträglicher.

Trotzdem, jedes Mal aufs Neue fasziniert mich mein Sohn, wie scheinbar locker er das wegsteckt, wohlwissend, dass er doch immer sehr daran zu knabbern hat. Aber gemeinsam schaffen wir das, wie schon die letzten Jahre. Da wird sich auch nichts dran ändern!
Mal sehen, wann er denn nun dran kommt.  Etwa eine Stunde soll das ganze dauern. Danach, wenn er wieder wach ist, was zu sich genommen hat und sich gut fühlt, darf er wieder heim. Ich bin gespannt… Man wird vorsichtig mit der Planung nach so langer Zeit, aber ich denke das wird klappen.

Er ist ein toller junger Mann, so schlau und tapfer. Ein Kämpfer der seinesgleichen sucht. Manchmal ein wenig frech aber auf charmante Art und er hat ein grinsen, dass einem keine andere Wahl lässt, als ebenfalls zu grinsen. Es ist also nicht immer einfach, aber einfach gut! Ich bin froh, dass es Dich gibt Hase!

Herzmensch vs. Kopfmensch

Das ganze Leben besteht aus Entscheidungen, Wege die uns führen und Situationen, die einer bestimmten Handlung von uns bedürfen. So hat Jeder seine eigene Art, damit umzugehen. Das ist auch gut so, denn es ist ja auch noch von anderen Faktoren abhängig, wie etwa familiäre Verhältnisse, finanzieller Background, Gesundheit und vieles mehr. Trotzdem kann man grob in zwei Lager aufteilen, welche relativ schnell erkennbar sind.

So hat man zum einen die Kopfmenschen, die immerzu alles bedenken wollen, oder gar müssen, weil es so in Ihnen manifestiert ist. Es kann kommen was mag, es wird Ruhe bewahrt und erstmal alle Pro’s und Kontra’s berücksichtigt. Jedes nich so kleine Detail wird berücksichtigt und nichts soll dem Zufall überlassen bleiben. Allein der Gedanke, irgend etwas nicht in die Planung mit einbezogen zu haben, löst Unbehagen aus. Umso mehr ist es verständlich, dass Kopfmenschen mit ihren Überlegungen eine Weile beschäftigt sind und bei jedweder Möglichkeit, die das Vorhaben scheitern ließe, Bedenken anmelden. Der Kopfmensch steht sich dadurch bei einfachen gefühlsbetonten Entscheidungen meist selbst im Wege und ehe er eine für sich schlüssige Entscheidung getroffen hat, ist er längst von einem anderen Typen überholt worden.  Man sieht also, dass Kopfmensch zu sein, nicht nur Vorteile in sich birgt, mal abgesehen, dass Kopfmenschen mit unter auch sehr anstrengend sein können. Denn in Themen, welche z. B.  die Partnerschaft betreffen braucht es Herz und weniger den Kopf!

So kommen wir zum anderen Lager,  den sogenannten Herzmenschen. Sie sind sehr stark emotional ausgeprägt, hören auf ihr Bauchgefühl, welches selten trügt und folgen immer dem Ruf des Herzens. Mit Emotionen geladen bis über die Haarspitzen, neigt der Herzmensch oft zu Schnellschüssen. Diese müssen nicht von Nachteil sein, wenn es um Beziehungsfragen geht, Familienplanung, oder gemeinsame Aktivitäten wie etwa Urlaub usw.  In diesen Disziplinen ist der Herzmensch ungeschlagen und agiert in seinen Element. Diese Stärke der Herzmenschen schlägt aber schnell in eine Schwäche um, wenn sie ihre sichere Umgebung verlassen und sich ins Territorium der Kopfmenschen begeben. Nüchterne Entscheidungen die nicht mit Emotionen aufwarten sind nicht ihr Ding. Sie neigen dann zu falschen Entscheidungen, weil das Herz in solchen belangen meist nur wenig Kraft hat.  Schnellschüsse die aus dem Bauch heraus getroffen werden, sind beispielsweise in der Wirtschaft, in großen Unternehmen fehl am Platze. Der Kopfmensch hat hier sein Hoheitsgebiet!

Es gibt aber auch auf diesem Gebiet noch eine Spezies.  Dabei handelt es sich um einen Hybriden. Eine Mischung aus Herz und Kopfmensch quasi und prädestiniert für Jobs im Sozialwesen. Meines Erachtens nach die beste Variante, welche absolut erstrebenswert ist, weil zum einen nüchterne Entscheidungen mit dem Blick auf Veränderungen bei Menschen, beispielsweise Patienten, Kinder, Tiere getroffen werden. Dazu braucht es beide Lager in einer Person und die sind wie ich finde, besonders wertvoll und selten.

Wie ich mich einschätze? Schwierig…  Es ist wohl generell schwer,  eine Selbsteinschätzung zu diesem Thema zu machen, ohne dabei selbstverliebt zu wirken.  Aber ich bin auf jeden Fall Herzmensch, das zeigte sich daran,  dass ich mich schwer tue, Entscheidungen zu treffen die einem bestimmten Zweck dienlich wären, aber womöglich Mitmenschen wegrationalisieren. Da bin ich lieber Herzmensch mit jeder Faser meines Körpers.