Tunnelblick

Ich möchte euch heute mal erzählen, wie ich damals meine Depression empfand. Wie es sich auf mich auswirkte. Jetzt ein paar Jahre danach, traue mich darüber zu erzählen. Ich hoffe, ich kann zum einen erklären wie es wohl sein mag und zum anderen Erkrankte dazu bewegen, sich Hilfe zu suchen. Sehr gerne biete ich auch meine Hilfe an. Viel Spaß beim Lesen. 

 

Ein trister grauer und verregneter Tag. Es ist frisch, nasskalt fährt es einem durch und durch, man versucht sich in seine Jacke zu kuscheln. Ob es heute nochmal heller wird, die Sonne scheint? Wohl eher nicht. Es ist eher damit zu rechnen, dass es so bleibt und einfach nur noch dunkel wird. Trostlos! Man versucht sich mittels Gedanken positiv zu stimmen, im Kopf wenigstens die Sonne scheinen zu lassen, aber auch da herrscht trübes Wetter. Es friert mich noch mehr, weil ich garnicht in der Lage bin, mich zu erheitern. Ich funktioniere, gehe von der Arbeit aus den Weg zum Bus. Musik wird es richten und der Stimmung angepasst schön laut, damit die finsteren Gedanken nicht zu hören sind. Schwierig, denn ich könnte nicht so laut stellen, wie es dazu nötig wäre. Fortwährend kreisen die Gedanken. Was bin ich, wer bin ich, wozu bin ich da? Ich bin unachtsam, stolpere kurz und trete auf die Fahrbahn, ich höre Reifen quietschen, drehe meinen Kopf und sehe in die erschrockenen Augen des Kurierfahrers, vor dessen Auto ich lief. Kein Ton wurde gesprochen. Stille. Ich drehe mich um, gehe weiter, völlig emotionslos. Es war mir schier egal ob er mich platt fährt. Wäre doch der Welt gutes getan, wäre ich weg. Dass ich zuhause Frau und zwei Kinder hatte, kam mir in dem Moment nicht in den Sinn. Ich war leer und mir selbst im Weg. Nicht mal mehr weinen konnte ich, keine Chance. Die Tränen versiegt, der Kopf finster, es flackert der Gedanke an Suizid auf. Es war nicht erschreckend oder befremdlich, es war aber auch nicht angenehm, irgendwie wars garnichts. Keine Regung! Gerne hätte ich Angst gehabt, denn es wäre ein Zeichen gewesen, dass wenigstens irgendetwas noch halbwegs normal läuft. Aber nichts, gar nichts!

Ich verbrachte so Wochen und Monate, immer auf der Suche nach Leben in mir, den Sinn meines Daseins, einfach einen Grund, wofür ich gut bin. Die Tage kamen und gingen, hell, dunkel, ob die Sonne schien oder es regnete, egal! Ich spielte meine Rolle des fröhlichen Ehemanns, Vater, Kumpel. Aber in mit drin war nichts fröhlich. Meine Seele schrie, erlebte Schmerz und wusste nicht, wie damit umzugehen ist. Ich war dankbar, als ich endlich so weit war und mir meine Hilflosigkeit eingestand. Der Gang  zu einem Psychologen war zwar schwer aber gut, denn nach und nach lernte ich mich kennen und Mut zu fassen, der zu sein der ich bin und nicht der, den jeder haben wollte. Heute sehe ich entspannter auf die Zeit zurück, gehe offen damit um, weil ich denke, dass es sehr vielen so gehen wird. Seid mutig und sucht euch hilfe! Ich kann heute wieder lachen, ich kann Scherze über mich selbst machen und steh zu meinen Gefühlen. Jetzt achte ich mehr auf mich und wenn mir etwas nicht gut tut, lass ich es. Nein, ich suche keine Kompromisse, ich lass es! Ob das dann jemanden stört, ist nicht mein Problem. Ich mache, was mir gut tut und lebe lediglich für meine Familie! Leben… Nicht vegetieren…. Das Leben genießen!

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One Response to Tunnelblick

  1. Franca Incardona says:

    Wow. … lieber Mark. Klare Worte ….klare Sprache. Wenn man sich in diesem „Zustand“ befindet ist eigentlich alles egal. Ja man funktioniert und das finde ich wiederum genial. Ich denke, dass es auch wichtig ist, sich darueber bewusst zu werden…. wie genial wir Menschen in Wirklichkeit sein. Wir können unser Bewusstsein ausschalten und einschalten. Ganz bewusst. … das heisst wir sind universell….frei und unabhängig. Wenn wir uns bewusst werden wie göttlich wir sind…in unserem Sein dann beginnen wir zu leben. Herzlichen Glückwunsch lieber Mark🤗

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