Kopf an Körper, hörst du mich?

Guten Morgen Beine. Na? Wie sieht es heute aus? Bekommen wir den Tag mal ohne Schmerzen hin? Lasst ihr mich nach dem Aufstehen direkt wieder stolpern und wie einen Roboter laufen? Ich fände es schön, wenn wir uns heute mal vertragen. Das Wetter ist so schön, wir könnten spazieren gehen, in Nachbarort ist eine tolle kleine Eisdiele mit leckeren Eissorten. Das wäre doch was? Fände ich toll, wenn heute mal Waffenstillstand herrschen würde.
Und du Schwindel? Wie ists mit dir? Verbrüderst Du dich heute auch wieder mit dem Sehnerv um mir das Leben schwer zu machen? Auch ihr könntet heute mal Ruhe geben und mir einen schönen Tag gönnen! Ich wäre euch sehr dankbar! Und Nervensystem, du könntest heute generell mal davon absehen, mich mit heftigen Schmerzen zu traktieren, du schaffst es jeden Tag aufs Neue, dass ich mich zusammennehmen muss, versuchen muss, positiv zu denken und zu lächeln, wenn es auch zumeist verdammt schwer fällt. Ja du schaffst es, mir manchmal Tage zu bescheren, wo es mir an Mut und Zuversicht mangelt und ich am liebsten hemmungslos weinen möchte. Vor allem dann, wenn du dich mit dem Langzeitgedächtnis zusammentust und dieses während dessen noch so fies ist und alte Erinnerungen abspielt.

Ich wünsche mir einen Tag ohne Schmerzen, Schwindel und lahme Beine. Ohne Sehprobleme und ohne Erschöpfung. Ich würde mich reich fühlen!
Reicher als mit allem Geld der Welt, denn dieses Geld vermag nicht zu schaffen, was ich mir wünsche. Im Fitnessstudio einen Workout, mit dem Fahrrad ne Stunde unterwegs sein, mit den Kindern im Garten herumtollen, einen langen Spaziergang machen, unbeschwert lachen und sich keine Gedanken machen müssen, wie man den Tag plant, damit man sich nicht übernimmt. Ja, das wäre was!

Ich bin realist und ich weiß, dass es nimmer anders sein wird. Daher kratze ich weiterhin jeden Tag all meinen Mut und meine Kraft zusammen, um dennoch schöne Tage zu haben. Vor allem aber mache ich das für meine Familie, denn die braucht mich und ich sie.
Ich mache das aber auch für euch da draußen, um zu helfen, um aufzuklären, aufzubauen und ein offenes Ohr zu leihen. Das alles ist mein Antrieb, jeden Tag aufs Neue mein Bestes zu geben.

Wie sich MS anfühlt

Es geht nun schon seit Stunden so, dieser beschwerliche Weg, leicht bergauf auf felsigen groben Steinen. Drückend schwül ist es und trotz dem, dass es nicht all zu warm ist, schwitze ich leicht. Mein Kopf fühlt sich an als leuchte er rot,  als ob ich Fieber hätte. Ich kann nicht mehr. Der Weg will nicht enden, ich sehe ungern nach vorne, denn es kommt einem so vor, als ob er nicht nur unendlich ist sondern auch schmäler wird. Grausam, ich muss kurz pausieren. Es ist eine von vielen Pausen, zählen kann ich sie schon nimmer und mag meinen Kopf damit auch garnicht belasten. Eben dachte ich noch es wird etwas flacher, leichter, es war nur kurz, jetzt wurde es gar noch etwas steiler. Meine Beine schmerzen, ich bin so unendlich müde und es mangelt mehr und mehr an Kraft. Der Weg mag nicht enden, eine einzige Quälerei! Es ist gerademal Nachmittag, noch so lange, bis endlich das erlösende Ziel in Sicht ist. Essen wäre mir auch lieb, aber genießen kann ichs doch nich, weil ich zu müde sein werde. Allen Mut und alle Kraft nehm ich zusammen, kämpfe weiter, tu was ich kann, obwohl mittlerweile der Akku am Ende ist. Die Beine gefühlt ne Tonne schwer, bekomme sie kaum noch vom Boden hoch, alles, wirklich alles tut weh. Zu den schmerzenden Beinen gesellen sich nun noch Schwindel, neuropatische Schmerzen und Sehprobleme. Ich bin nur noch ein einziges schmerzenden und kraftloses Stück Fleisch. Aus Kognitives Sicht würde der 500watt Strahler durch ein Teelicht ersetzt.  Ich kann nimmer! Endlich bin ich angekommen, endlich kann ich ruhen, schlafen… Der Tag ist zu Ende. 
Das war nun ein MS-Alltag als kleine Geschichte dargestellt, damit man, wenn man selbst nicht erkrankt ist, verstehen kann, wie sich ein ganz normaler Tag für einen MS-Kranken anfühlt. Es ist schlimm, weil man gerne so viel tun möchte, aber garnimmer dazu in der Lage ist. Der „normale“ Alltag ist für uns schon ein Kampf. Noch irgendwelche Extras dazu führen in der Regel zu einer Überanstrengung, welche wir mit heftigen Schmerzen und Erschöpfung bezahlen. Abends noch in einen Club? Fehlanzeige! Mit den Kindern noch ne Runde Radfahren? Keine Chance! Es macht traurig, wenn man sich immer aus allem rausziehen muss. Man möchte das ja nicht, hat aber keine andere Wahl. Nachmittags noch eben eine Tasse Kaffee runtergestürzt, in der Hoffnung dass man etwas heller wird, um dann kurze Zeit später auf der Couch einzuschlafen. Wenn einen wie in meinem Fall, die Schmerzen schlafen lassen.

Ich hoffe, ich konnte etwas Aufschluss bieten, über den Alltag als MS-Kranker. Vielleicht kann man als gesunder durch diese Geschichte etwas hineinfühlen, wie es für einen chronisch kranken ist. Ich würde mini über ein Feedback freuen.

Momentaufnahme

Der Wecker schlägt mit seinem Terror los, das Bett verliert apruppt an Gemütlichkeit. Die Füße aus der Bettdecke gesteckt, um sich an diese unmenschliche Eiseskälte zu gewöhnen, was aber nur schwer gelingen mag. Hat man diesen Teil geschafft, guckt nach dem Weg ins Bad, auf der andern Seite des Spiegels eine jämmerlich dreinblickende Fratze, welche augenscheinlich um Gnade Winkel. Vergeblich, denn die restliche Müdigkeit wird mittels kaltem Wasser aus dem Gesicht gewaschen. Hurra, wiederbelebt und bereit für den Tag.

Also geht es auf in den Kampf, der Weg zur Arbeit beginnt mit einer positiven Stimmung, welche sich wie eine magische Farbe bei Temperatur, von Hell auf Dunkel kehrt. Am Schreibtisch angekommen, der künstlichen Intelligenz mittels Knopfdruck Leben eingehaucht und die Kaffeetasse aus dem Schrank gezerrt, um sie mit dem schwarzen, wohlduftenden Lebenselexier zu füllen. Je leerer die Tasse, desto wacher der Besitzer. Zumindest redet man sich das zu gerne ein. Man hangelt sich zur Mittagspause, in dieser Zeit kämpft man sich im angesichts des Kaffeedursts durch Aufträge, Listen und dumme Menschen. Letzterem kann man nicht entfliehen, ists doch der Vorgesetzte. Am Ende des Tages, man fühlt sich, als hätte man den Endboss besiegt und die Prinzessin gerettet, fährt man zufrieden nach Hause.

Wieder einen Tag überstanden und das eigene Gehirn mitsamt gesundem Menschenverstand erfolgreich vor der kollektiven Verblödung verteidigt. Der Endboss leckt seine Wunden, während der Held die Prinzessin vernascht, bis zum nächsten Tag, wo alles wieder von vorne beginnt.

Worte

Wir reden viel, drücken aber wenig aus. Sprechen geübt, aber belanglos. Blumige Worte, Floskeln, abgedroschen und Inhaltslos. Diese gellende Leere, welche einem stets den Versuch entlockt, sie mit Inhalt zu füllen, was doch nur wieder als heiße Luft entweicht und in Frust endet.

Tatsächlich, wenn man sich die Medien so ansieht, egal ob in Bild, Text oder Ton, es wird viel kommuniziert und doch nichts gesagt. Lamentieren, dementieren, resignieren, um sich zuletzt gar zu demontieren. Ein Trauerspiel wenngleich man drüber lachen müsste. Die Menschheit schreitet, rhetorisch hoch gebildet mit großen Schritten ins Verderben, da die Sprache der Vernunft dem Leichtsinn weicht. Wieder nur Floskeln, Halbsätze und Inhaltsleere. Vor allem auf politischer Ebene versteht man sich gut darin, viel zu sprechen, ohne auch nur irgendwas sinnvolles zu sagen.

Nicht selten fehlt auch die Verbindung von Gehirn zum Mund, was neben dieser oralen Diarrhoe zu allerhand Peinlichkeiten führt. Die Qualität der Staatenlenker lässt ja, wie man an Trump erkennt, gewaltig zu wünschen übrig. Was in anbedacht dessen, dass dieser geistige Tiefflieger am roten Knopf sitzt, lässt die Frage aufkommen, ob die Menschheit suizidale Gedanken hegt. Das Das

Welt was ist nur los mit dir? Tu dich doch auf und verschluck all diese Intelligenzbestien und heil dich selbst. Recht überlegt, wäre das wohl das geschickteste.

Wahrlich falsch…

Oft denke ich darüber nach, wie ich mich wohl fühlen würde, hätte ich studiert und einen entsprechenden Job. Diese Gedanken haben mich jahrelang fast aufgefressen und egal wo ich war, schwang dieses Gefühl, unbedeutsam zu sein mit. Sicherlich mag man denken und das weiß ich selbst nun auch, dass es nicht entscheidend was deine Schulbildung ist, sondern dass es auf andere Dinge mehr ankommt. Denn mal ehrlich, schaut man sich die ganzen Betonköpfe in der Politik an, um nur ein Beispiel zu nennen, rinnt es mir bei dem Gedanken, was sie mit ihrer Arroganz anrichten können, eiskalt den Rücken runter. Aber ich denke zu weit, zu hoch. Reicht es doch sich im direkten Umfeld umzusehen, damit einem bewusst wird, dass eine gehobene Bildung vielleicht Intelligenz voraussetzt, es aber dennoch an Klugheit mangelt. Was nützt es in einer fremden Sprache der perfekten Artikulation mächtig zu sein, wenn man es in der wichtigsten aller Sprachen nicht beherrscht. Diese Sprache bedarf keiner Worte, sie bedarf nur deiner Handlung. Sie zeigt auf was du bist und wer du bist. Sie kann auch nicht geschickt und blumig darüber hinwegtäuschen, was du an Defiziten aufzuweisen hast.

Es ist leider so, dass einem diese Sprache, wie auch der Spiegel ungeschönt die Wahrheit ins Gesicht schmettert! Es liegt somit ganz allein an jedem einzelnen mit dieser Wahrheit auszukommen, sie zu ertragen! Eventuell bringt es einen auch dazu seinen Standpunkt zu überdenken, was dazu führen dürfte, dass man schnell herausfindet, wieso man alleine steht, denn selbst die geschickteste Maske fällt irgendwann. Doch dann mag einiges zu spät sein!

Ich für meinen Teil lass mich von Überheblichkeiten und Anfeindungen anderer nicht beirren, gehe meinen Weg und mach das Beste daraus. Schwache Menschen, also jene, die sich für stark halten und falsch sind , dienen mir um zu lernen.