Freude

Wobei empfindest Du Freude? Sind es eher die einfachen Dinge, die Dich erfreuen, oder brauchts dazu schon etwas mehr? Ist es eine besondere Geste? Eine nette Umarmung zum Beispiel? Sind es vielleicht sogar Dinge wie der Straßenmusikant, welcher wunderschön spielt und man sich an den Klängen erfreut? Der Duft von gebrannten Mandeln auf dem Jahrmarkt? So viele Dinge lösen in einem, wenn auch meist unbewusst Freude aus. Ein besonderes Ambiente, die Liebe welche man an der Hand hält, den Kindern im Garten zusehen, wie sie spielen und toben. So vieles löst dieses wohlige Gefühl der Freude aus.

Nüchtern und aus neurologischer Sicht betrachtet ist es nichts weiter als eine Abfolge hormoneller Funktionen, welche Botenstoffe wie Dopamine und Opiode freisetzen, welche im übrigen die gleichen, wenn auch weniger starke Wirkweise wie beispielsweise Kokain hat. Wir nehmen visuell oder akustisch etwas wahr, senden dies an die Bereiche ins Gehirn, wie etwa das ventrale Paladium, was neben dem Belohnungszentrum liegt. Es werden die anfangs erwähnten Botenstoffe freigesetzt, welche wiederum andere Bereiche im Gehirn stimulieren. Das Herz schlägt schneller, der Blutdruck steigt, es wird einem wohlig warm, man lächelt und womöglich kullert auch eine Freudenträne. Schöner Nebeneffekt ist, dass das Schmerzzentrum kurzzeitig etwas aussen vor ist und man empfindet Schmerzen in dem Moment nicht so stark. So nun genug des nüchternen Vortrages.

Freude ist für uns alle wichtig, wer Freude empfinden kann, lebt glücklicher, interessierter an verschiedenen Dingen, wird auf Grund dessen dass der Körper so dabei in Wallung gerät, weniger oft krank. Aber auch das Zwischenmenschliche wird gefördert. Freude will geteilt werden und am schönsten ist es doch, wenn man sich gemeinsam freuen kann. Den geplanten Urlaub, das erste gemeinsame Kind, eine bestandene Klausur, Geburtstage usw. Freude ist wichtig! Nicht immer im Leben ist man mit Glück und Gesundheit gesegnet. Die geplante Zukunft ist womöglich in Frage gestellt und gerade dann ist es so sehr wichtig, nicht alles schwarz zu sehen, sich seiner Fähigkeiten zu besinnen, neuen Mut fassen und sich neue Pläne zu stecken. Womöglich findet man eine ganz neue Herausforderung, oder entdeckt Stärken bei sich die lange unentdeckt blieben. Diese kleinen Entdeckungen, Änderungen und Neuplanungen sind auch bei gelingen und erreichen mit Freude gekoppelt. Man ist auf dem richtigen Weg, seinem Weg!!!

Deshalb traut euch, versteckt euch nicht, kommt aus eurem Schneckenhaus. Es ist völlig egal ob zu Fuss, im Rolli oder mit dem Rollator. Was auch immer,ihr seid besonders! Jeder ist individuell und das macht es doch aus. Wer sich akzeptiert wie er ist, wird sich selbst darüber freuen, dass er es geschafft hat! Und vertraut mir, ich sehe jeden Tag viele Beiträge, gemalte Bilder, geschriebe Texte, Gedanken, Fotografien usw. Und hinter jedem dieser Werke steckt ein toller Mensch! Sei ein toller Mensch!

Leistung und die Gesundheit

Jeden Tag tobt das Verlangen in den Menschen, besondere Leistungen zu erzielen. Das Ansehen, was man dadurch erreichen will, welches fest mit dem eigenen Selbstwert verknüpft ist, braucht Nahrung. Dieses Streben ist bei vielen Menschen das oberste Ziel, doch was ist, wenn man diesem Verlangen nicht mehr nachkommen kann?

Auch mein Ziel war es immer, durch Leistung zu glänzen, weshalb man  sich immer mehr draufpacken ließ, in der Hoffnung, dass diese Leistungsbereitschaft irgendwann entsprechend belohnt wird. Signale des Körpers wurden dabei völlig ignoriert. Das eigene Auto würde man nicht so schlecht behandeln, aber bei sich selbst kann man ja nachlässig sein. Also wird immer weiter robottet und die Tage werden von mal zu mal schneller, bis man letztendlich große Mühe hat, all diese Sachen, die verlangt werden zu schaffen. Die Gesundheit vergisst aber nicht! Alles, was du deinem Körper antust, schlägt irgendwann gnadenlos zurück. Rückenschmerzen machen sich bemerkbar, wird vernommen und weiter gemacht. Sind ja nur Rückenschmerzen, die vergehen wieder. Irgendwann sind sie so schlimm, dass man zum Arzt geht. Bandscheibenvorfall! Großes Unverständnis, wieso nur passiert mir das? Immernoch kommt man nicht drauf, oder man will es nicht wahr haben, dass das eigene Handeln dafür verantwortlich ist. Weitere Bandscheiben melden sich… So langsam wacht man auf und versucht etwas zu ändern. Doch leider viel zu spät. Wiegt man nun auf, was einem die geschundene Gesundheit erbracht hat, muss man sich ernsthaft die Frage stellen, ob man noch bei Sinnen ist. Keiner wird kommen und sich bei dir für deinen Einsatz bedanken! Letztlich erkrankt man wie in meinem Falle zusätzlich noch an Multiple Sklerose und ist ab dem Zeitpunkt dazu gezwungen, sein bisherigen Tun zu überdenken.

Diese Erkenntnis macht einen wütend. Zum einen weil man über sich selbst enttäuscht ist nicht früher zu erkennen, dass man auf dem Holzweg ist und wütend auf die anderen, welche sich die erbrachte Leistung gefallen ließen. Im Nachhinein bedacht, sind die anderen aber garnicht das Problem, denn der Fehler liegt immer bei einem selbst. Wieso lässt man zu, dass einem geschadet wird? Warum versucht man durch besondere Leistungen Anerkennung zu bekommen. Wenn man so weit ist, dass man sein eigenes Handeln in Frage stellt, tut das zuerst einmal weh. Das Ego ist gekränkt, weshalb is immer mehr in Frage stellt, bis man letztlich bei der Frage angekommen ist, was man denn überhaupt für einen Nutzen hat. Es ist schwierig, aus diesem Loch wieder herauszufinden, was aber möglich ist, wenn man sich bewusst macht, dass man in seiner Art besonders ist. Man lernt dabei viel über sich selbst und entwickelt den Mut zu sich selbst zu stehen, sich zu mögen wie man ist. Ab diesem Moment ist alles möglich! Sich seiner Stärken besinnen und Schwächen akzeptieren. Das Leben so gestalten, dass es einem fortan gut tut!

Letztlich profitiert davon die Familie und allen tut es gut. Lieber etwas weniger materiellen Schickschnack, dafür aber ein harmonisches Familienleben und selbstbewusst, glücklich aufwachsende Kinder haben. Das Leben ist zu kostbar für belangloses und kurz um es nicht zu genießen!

Schmerzen

Schmerzen… Egal was man auch tut, egal zu welcher Uhrzeit, es wird im Nachhinein mit Schmerzen quittiert. Nun sollte man denken, dann mach doch nicht so Sachen die dir diese Schmerzen bereiten! Hmm? Gehen? Einkaufen? Oder sonstige kaum aufwändige Handlungen?
Liege auf der Couch, bin dabei diesen Text zu verfassen, während ich versuche, mit Schmerzen und Schwindel klar kommen. Was also soll ich nun weglassen? Gute Frage oder?
Aber wisst ihr was? Ich lebe damit, ich lächle, habe Spaß und freue mich auf jeden neuen Tag. Klar, mit Schmerzen, Schwindel, Sehprobleme, kognitive Störungen und Müdigkeit, aber ich mache, was mir möglich ist. Das Leben ist zu schön, um es mit sinnlosen Gedanken an etwas zu verschwenden, was man eh nicht ändern kann!

Das Schicksal hat mir zugesetzt? NEIN! Ich setze dem Schicksal schwer zu, weil es mich nicht so leicht in die Knie zwingt wie erhofft! Ich lebe!

Frühlingserwachen

Wunderbares Wetter, die Sonne schmeichelt der Gesichtshaut, melodisches Vogelgezwitscher ist zu hören, der Duft des Frühlings ist klar zu vernehmen und füllt das Herz mit Freude. Man bekommt Lust darauf im Freien zu sein. Raus aus der Wohnung, raus aus den von der winterlichen Kälte gesteckten Grenzen. Die Natur erwacht allmählich zum Leben und hebt die Stimmung. Eine Farbenpracht stellt sich langsam ein. Bäume und  Sträucher erwachen und bieten Tieren Schutz. Das Leben hält in der Natur Einzug und zaubert ein Lächeln ins Gesicht.

Man atmet tief ein und nimmt die Lungen voll mit Luft. Spürt das Leben in seinem Körper neu und es kommt einem so vor, als ob man tatsächlich selbst innerlich bei neuer Kraft erwacht und aufblüht. Mutter Erde dreht ihre Runden, schenkt uns immer neue Tage und somit immer neue Chancen. Nutzen wir sie! Nicht für Geld, nicht für teuren Besitz, sondern für uns, unsere  Liebsten, unser Leben! Wahrer Reichtum findet in uns selbst statt. Liebe, Wärme, Respekt und Güte erfüllen uns und stellen den wahren Reichtum dar. Die Natur, welche ich persönlich als Gott bezeichne, braucht eben diese Eigenschaften von uns, denn all die Pracht und Schönheit geht verloren, wenn wir nicht mit Bedacht handeln. Jeder für sich, im kleinen und doch bewegt sich was. Und viele kleine Taten lassen es auch zu einer gemeinsamen großen Handlung werden, die gesehen wird.

Ich denke ja, dass ein Frühling immer auch einen Neuanfang für jeden einzelnen darstellt und nicht nur für die Natur. Wir werden älter, aber im normalfall auch weiser und dieser Gegebenheit sollten Taten folgen. Aber nicht nur der Natur sollte gutes getan werden. Generell gilt es Gutes zu tun, auch seinem Gegenüber, ganz egal ob Familie, Freunde, Bekannte oder Hilfesuchende. Ich glaub da an jeden einzelnen und ich weiß, dass sich so mancher nicht daran halten mag, aber ein Großteil, davon bin ich überzeugt.

Die psychische Last bei einer Erkrankung

Morgens, es wird draußen schon hell, kitzelt einem die Sonne in der Nase. Heftiges strecken, die Bettdecke zur Seite geworfen, geht es an den Versuch, aus dem Bett zu klettern. Über eine übliche morgendliche Steifigkeit hinaus, schmerzt es im ganzen Körper. Man ist versucht, die Schmerzen zu ignorieren, zumal man ja seit geraumer Zeit – eigentlich weiß man schon nicht mehr wie lange – damit lebt. Der morgendliche Gang ins Bad, dann anziehen und Frühstück richten. Ist dies erstmal erledigt, wäre einem an manchen Tagen danach, sich eine halbe Stunde hinzulegen. Die Schmerzen sind noch immer da und zehren an den Kräften, Schwindel setzt ein und die Fatique, diese ständige abnorme Müdigkeit, welche mit Erschöpfungsanzeichen einhergeht, meldet sich auch wieder. Man versucht es ebenfalls zu ignorieren und nimmt sich Zeit zum Frühstücken. Der Partner wirkt indes sehr munter und vergnügt, plant schon für den Tag und würde das gerne besprechen. „Was möchten wir heute machen? Shoppen, Spazieren gehen, Kino, oder eventuell im Garten was machen, der Frühling steht vor der Tür!“ Während dieser Aufzählungen, verzweifelt man bei dem Gedanken an die Kraft, welche dazu benötigt wird. Wie soll ich das alles schaffen? Oder überhaupt etwas davon? Man sieht seinen Partner oder die Kinder an. Das leuchten in den Augen ist zu schön, die Freude über eine gemeinsame Unternehmung groß, da kann man doch nicht wieder der Spielverderber sein? Also richtet man sich auf, räumt den Frühstückstisch ab und macht die Wohnung ausgehfein. Alleine jetzt wäre schon der Punkt erreicht, sich hinlegen zu wollen. Der Wunsch nach einer Mütze Schlaf ist groß, aber man ignoriert es weiter, setzt sein schönstes Lächeln auf und es geht los. Man merkt spätestens jetzt, dass immer mehr am Partner hängen bleibt. Eben noch schnell was besorgen, macht ihr mal, ich warte im Auto! Schuldgefühle…. Schnell wieder weggewischt. Eben schnell noch was einkaufen ist doch nicht schlimm. Weiter geht’s in die Stadt, ein wenig durch die City spazieren, die Kinder möchten sich von Ihrem Taschengeld was Schönes kaufen. Von einem Laden in den Nächsten, zwischen den Menschenmengen hindurch, Hektik, Stress, Lärm und die Wärme in den Geschäften setzen einem zu. Schwindel setzt ein, die Beine werden schwer und man hat Mühe halbwegs gerade zu laufen. Mit den Händen stützt man sich an Gegenständen und Wänden ab. Es wird zunehmend schlimmer. Klare Gedanken und das Teilhaben an dem Familienausflug sind nicht mehr so gut möglich, weil man nur mehr mit sich selbst beschäftigt ist. Endlich zuhause angekommen, hat man dann keinen größeren Wunsch mehr, als sich hinzulegen und zu schlafen.

Diese kleine Geschichte dient dazu, darzustellen, wie es sich anfühlen mag, wenn man an einer Autoimmunerkrankung wie der Multiplen Sklerose erkrankt ist und dennoch seinen Alltag meistern muss. Für den Erkrankten gibt es neben den Symptomen dieser Erkrankung aber noch ein viel größeres Problem, nämlich die psychische Last, welche einem zusetzt. Bis es zu der Erkrankung kam, war man in seinem Job fest involviert, zuhause hatte man alles im Griff und wenn es auch mal hektisch wurde, konnte man sich immer drauf verlassen, dass sich gekümmert wurde.  Nichts konnte so schlimm sein, dass man es nicht gemeinsam schaffte! Doch mit der Erkrankung änderte sich das alles mit einem Schlag. Dinge die sonst selbstverständlich waren, sind jetzt entweder gar nicht mehr oder nur sehr schwer zu schaffen. Etwas gemeinsam zu erledigen ist von der Tagesform abhängig und oftmals gar nicht zu schaffen. Nach einfachen Erledigungen und wenn es nur wie in der Geschichte anfangs beschrieben, das morgendliche Ritual ist, können je nach dem wie hart es einen trifft schon sehr viel Kraft kosten. Gemeinsame Aktivitäten wie Kochen, Einkaufen oder Gesellschaftsspiele sind mangels Konzentration nur sehr schwer zu machen. Da ist es dann so, dass der Partner immer mehr des eigenen Parts mit übernehmen muss. Und auch wenn es immer beteuert wird, dass es kein Problem ist und man das gerne macht, fühlt es sich nicht gut an. Das Selbstwertgefühl schwindet, man empfindet sich als Klotz am Bein und ist traurig.

Häufig spricht man mit dem Partner darüber, weil es ein Bedürfnis ist, klar zustellen, dass man das nicht mit Absicht macht, man einfach nicht kann, was nicht selten in Tränen endet. Im Bett zu liegen und sich auszuruhen, wie es der Körper verlangt, während der Partner nach seiner Arbeit noch staubsaugt, einkauft, Wäsche macht oder kocht. Das ist beinahe unerträglich und gibt einem immer wieder das Gefühl, unnütz zu sein, man sich gar wertlos fühlt. Dankbar ist man in diesem Fall, wenn der Partner die Erkrankung und die damit verbundenen Probleme versteht, was keine Selbstverständlichkeit ist und man hoch anrechnen muss! Wichtig ist aber auch, seinen Tag mit dem Partner neu zu planen. Nach den Möglichkeiten, die sich einem bieten, die Erledigungen oder sonstige Aktivitäten so zu legen, dass Pausen dazwischen möglich sind. Es kann durchaus auch im Haushalt helfen, einen festen Plan zu erstellen, was man wann macht um sich trotz der Erkrankung viel beteiligen zu können. So ist gewährleistet, dass gar nicht erst Frust entsteht und es trotzdem noch genügend Zeit für Ruhephasen und Gemeinsamkeiten gibt. Das Gefühl, weniger Wert zu sein, nimmt dadurch ab und es fühlt sich wieder so an, ein vollwertiges Mitglied der Familie zu sein. Gemeinsam statt Einsam!

Ein besonderes Bedürfnis ist mir aber, den Angehörigen der Erkrankten und somit auch meiner Frau und meinen Kindern Danke zu sagen, dass Ihr so viel Verständnis aufbringt. Dies ist wie schon im Text erwähnt, nicht selbstverständlich! Wir Erkrankten wissen dies sehr zu schätzen und finden es wunderbar, wenn zum einen Verständnis aber auch Interesse gezeigt wird. Denn Kommunikation ist in diesem Falle das Beste was man tun kann! Miteinander kann man alles bewältigen, egal was auch kommen mag. Daher ein großes Danke an alle Ehepartner, Kinder und alle anderen Verwandten.