Toxische Menschen, deren Realität und deren Entstehung

Toxische Menschen
Jeder von uns kennt es, wir sind gut drauf, sind schon mit einem Lächeln im Gesicht aufgestanden und freuen uns auf das, was uns der Tag so bringen mag. Und was bringt er uns? Einen Grantler, einen durchweg negativ gestimmten Menschen. Seine schlechte Aura beginnt bereits nach kurzer Zeit unsere eigene zu vergiften, hüllt quasi alles in negatives Feeling. Wie ein schwarzes Loch saugt dieser Mensch alles Positive auf und nährt damit scheinbar seine schlechte Aura. Ich fühle mich in Anwesenheit solcher Personen nicht wohl und versuche den Kontakt aufs Wesentliche zu begrenzen. Sich diesem Personenkreis hinzugeben, wäre tatsächlich als selbst-verletzend zu betrachten.

Schließlich passiert genau das, die eigene Seele wird verletzt, quasi vergiftet. Zumeist ist man tagelang mit dem Aufeinander-treffen und der daraus entstandenen Konversation beschäftigt. Es bremst uns in unserer Kreativität, in unserem Handeln aus und lässt sich je nach dem, mit wem man es zu tun hat nur schwer verarbeiten. Man ist damit beschäftigt zu ergründen, worum es der Person überhaupt ging, worauf sie hinaus wollte. Diese Frage bleibt aber meist ungeklärt und man ist bemüht, seine eigene Aura wieder aufzufrischen, positiv zu bleiben.

Am problematischsten ist es, wenn es sich bei dieser toxischen Person um ein Mitglied der Familie handelt. In Loyalität verhaftet fällt es besonders schwer sich dieser ungesunden Ausstrahlung zu entziehen. Es ist vor allem dann ein Problem, wenn man als Kind in Abhängigkeit zu dieser Person lebt und nicht fähig ist, sich zu entziehen. Schnell nimmt man dieses negative Gedankengut auf, die verkehrte Realität in welcher diese Person lebt, überträgt sich auf die anderen Familienmitglieder, welche damit beginnen, diese erfundene Realität als wahrhaftig zu empfinden. Wesentlich ist dabei, dass dies von der ausgehenden Person nicht bemerkt wird, da sie ja selbst in dieser „Realität“ lebt. Die Kinder wachsen über Jahre hinweg in diesem Umfeld auf laufen Gefahr ebenfalls an dieser psychischen Störung zu erkranken.

Erst die Distanz im Alter erlaubt einem Abstand zu nehmen und den Blick zu verändern, sofern man dazu überhaupt noch in der Lage ist. Wichtiger ist aber die Frage, wie es denn erst zu solch einem destruktiven Verhalten kam. Was muss der Auslöser sein, so depressiv zu werden um sich eine eigene heile Welt zu erdenken, der Realität zu entfliehen?
Ich versuche verschiedene Punkte aufzufassen. Als erster fiele mir da gefühlte Unzulänglichkeit ein. Man fühlt sich nutzlos, wertlos und unbrauchbar. Man versucht sich zu präsentieren, doch es gelingt nicht. Menschen mit dieser Störung neigen nicht selten dazu, irgendetwas zu tun, nur um Beachtung zu finden. Herausragende Leistung wäre ein Beispiel, das man nennen könnte. Das eigentliche Problem ist aber viel tiefer angesiedelt. Warum benötigt man die Anerkennung anderer? Wieso ist man nicht selbst stolz auf sich und mit seiner Leistung zufrieden?

Das eigene Ego stellt einem gerne ein Bein und wenn man nicht acht gibt fällt man darüber. Sicher muss es in der Vergangenheit Punkte gegeben haben, die dieses Ego so getriggert haben, dass es zu diesem empfinden kam. Dabei müssen gar nicht mal absichtliche Handlungen vollzogen worden sein. Oftmals reicht es aus, wenn der Gegenüber abgelenkt ist und der Erkrankte, bzw sein Ego das sofort als abwertend deutet. „Er beachtet mich nicht, ich bin nicht gut genug!“ Man muss wissen, dass das Ego hungrig ist, ja gar ein wahrer Vielfrass, denn es benötigt immerzu Nahrung in Form von besonderer Anerkennung. Zumindest ist es bei jenen Mitmenschen der Fall, die sich ihrer eigenen Stärken, ja ihrer Person nicht bewusst sind.

Ein völlig verzerrtes Bild der Realität. Es wird erdacht, dass man nur durch besondere Leistung die ersehnte Anerkennung findet, was zwangsläufig dazu führt, dass man sich seine Freunde und sein Ansehen erkaufen mag. „Ich tu Dir gutes, also muss ich für Dich ja ein super Freund, etwas besonderes sein!“
Die Seifenblase platzt, der erhoffte und wahrlich fragwürdige Erfolg stellt sich nicht ein. Das Loch, in der die Person steckt, wird immer tiefer!

Als nächstes wären da jene zu nennen, die sich ohne Skrupel ein gigantisches Kartenhaus aufstellen. Eine überzogene Selbstdarstellung ist auch hier neben einer selbst erfundenen Realität und dem Teil des krankhaft falsch gelebten Sinn für Gerechtigkeit das Problem.

Die Personen versuchen sich mit erfundenen Erlebnissen, einer im Geiste veränderten und passend ausgelegten Vergangenheit eine Stellung in der Gesellschaft zu sichern. Manch einer mag sehr geschickt im Umgang damit sein und dieses Konstrukt möglichst lange aufrecht erhalten können. Andere hingegen verraten sich, weil sie sich in Widersprüche verstricken. Dem Partner mag es vielleicht nicht direkt auffallen, oder es wird als Versehen/Verwechslung abgetan. Aber immer öfter kommt es zu diesen Momenten und es bedarf nur einem Funken und etwas Wind, damit diese Lüge bis auf die Grundmauern niederbrennt.

Warum frag ich mich, macht man dies? Es muss doch klar sein, dass man irgendwann aufliegt? Man erzählt diesen Seemannsgarn so vielen Menschen im Laufe der Zeit, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis es heraus kommt. Aber wieso, macht man dies? Ganz klar zu nennen wäre da wohl mangelndes Selbstvertrauen. Kein Durchsetzungsvermögen und um es bildlich darzustellen, man ist immer der letzte am Wasserloch. Nimm was übrig ist! Das was andere nicht möchten, nimmt man dankbar auf und verkauft es dann geschickt als großen Wurf. Damit das ganze nicht zu unwichtig wirkt, man nicht als unfähig erscheint, schmückt man diese „Realität“ noch etwas aus. Mit jedem Mal wirkt dies realer, man läuft Gefahr dies tatsächlich als Wirklichkeit anzunehmen, fällt auf seine eigenen Geschichten herein.

Nicht selten sind es peinliche Momente, an denen einem dieses Konstrukt, diese Story mit Wucht um die Ohren fliegt, weil die Widersprüchlichkeiten von anderen hinterfragt werden. In dem Moment ist alles weg und es stellt sich heraus, wer man wirklich ist. Traurig ist es, wenn man zu solchen Mitteln greifen muss und es wäre an der Stelle gut, sich Hilfe zu suchen.

Letztlich kommt es nicht auf Materielles oder einen Titel an, diese Dinge werden einem an der Himmelspforte eh genommen. Das letzte Hemd hat keine Taschen und dem Fährmann kümmert es wenig, wie du angeredet werden möchtest, aber wie dich deine Mitmenschen in Erinnerung behalten, ehrlich, aufrichtig und rechtschaffen, als reine Seele, lieber Freund und geschätztes Familienmitglied, das macht den Unterschied. Ich selbst lege großen Wert drauf, authentisch zu sein, daran wird man letztlich gemessen.

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4 Responses to Toxische Menschen, deren Realität und deren Entstehung

  1. Ingrid Meier says:

    Sehr gute Beschreibung, die sehr hilfreich ist aus solchen Abhängigkeiten herauszukommen. Danke!

  2. Hewi says:

    Super Text und sehr inspirierend! Danke!

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