Die Galerie

Ich laufe durch eine Galerie, meine Blicke schweifen die Gänge entlang und finden keinen fixen Punkt. Sehr viele Eindrücke sind es, die auf mich einwirken. Der Geruch von Ölfarbe liegt in der Luft und es wirkt etwas frisch von den Temperaturen. Verständlich, denn wohl temperiert sollte es wohl sein, damit die Gemälde keinen Schaden nehmen.

Dieser Geruch, den ich beschrieb, er ist in jedem Winkel der Galerie wahrzunehmen. An manchen Stellen sogar viel intensiver. Es ist flüsterleise, hier und da ein Räuspern und Getuschel. Alles sehr diszipliniert im Ablauf und auch in der Ausstattung wirkt die Galerie sehr kühl, um den Blick aufs Wesentliche zu beschränken, die Gemälde und Installationen.

Zugegeben, ich sehe mir so etwas zum ersten Mal an. Bin kein Künstler und daher eher weniger bei solchen Vernisagen anzutreffen. Aber das spielt jetzt keine Rolle. Ich laufe langsam und bedächtig durch die Flure und widme allein schon aus Respekt vor dem Künstler, jedem Kunstwerk etwas Zeit um zu verweilen, es auf mich wirken zu lassen.

Eines beeindruckender als das andere und so komme ich irgendwann zu einem wunderschönen Bild. Es zog mich in seinen Bann und ich konnte nicht anders, als davor zu stehen und jeden Pinselstrich zu begutachten. Eine Pracht an Farben in einer Anordnung, welche mich sehr beeindruckte! Ich hatte das Gefühl, als hätte ich mein Kunstwerk gefunden, den Spiegel zu meiner Seele.

Nach einer Weile ging ich weiter, sah mir noch die anderen Gemälde an, lauschte auch den Interpretationen anderer Besucher und staunte teilweise nicht schlecht darüber, was man in solchen Bildern alles zu sehen vermochte. Mir wurde klar, dass ich von dieser Kunst so rein gar keine Ahnung hatte, weshalb ich mich schweigend zurückhielt. Meine Gedanken kreisten während dessen immer wieder um dieses eine Bild, welches mich so tief beeindruckt hatte. Irgendwann am Ende angekommen, entschied ich nochmal zu diesem Bild zurückzukehren, es noch einmal auf mich wirken zu lassen. Da stand plötzlich ein junger Mann, ich schätze er war sechzehn, oder auch etwas älter und dachte darüber nach, dass er mir bekannt vor kam. Er rückte das Bild zurecht und richte die Beschreibung, als er mich wahrnahm. Ich stand da und sah das Bild an, wieder hatte ich das zuvor schon beschriebe Gefühl, als ob dieses Bild ein Spiegel zu meiner Seele ist.Er sah mich an und fragte, ob mir dieses Bild gefällt. Ich nickte und sah ihn nun genauer an. Ich mochte es kaum glauben, aber ich war es! Ich stand vor meinem sechzehn jährigen Ich! Ich begriff nicht, was eben vor sich ging, sah mich um, ob noch irgendwo jemand stand, man mir womöglich einen Streich spielen wollte. Es war aber niemand ausser uns in diesem Flur anzutreffen. Ich blickte eine Weile stumm und hatte das Gefühl, als ob mich ein kühler Wind durchfuhr.

Meine Behaarung an den Armen stellte sich auf, mein Kopf signalisierte „geh weiter!“ doch meine Beine gehörten nicht. Der Junge sprach „hab keine Angst, ich bin es tatsächlich! Ich möchte dir  zeigen, dass du nicht an dir selbst zweifeln musst. Alles was du bis jetzt erreicht hast, macht mich froh, weil ich keine Angst um das haben muss, was noch kommt! Dieses Bild hast Du gemacht, all deine Handlungen haben dieses Bild entstehen lassen! Ich war baff, bekam keinen Ton heraus. Woher weiß er von meinen Zweifeln und was ich schon alles gemacht habe? Ich kniff meine Augen zu und öffnete sie wieder, aber es war kein Traum. Er stand immer noch da. Er lächelte und antwortete „ich weiß von deinen Zweifeln, weil ich Du bin. Sei einfach weiter der, der du bist! Lass dich nicht beirren und mehr das Beste für dich daraus.

Ich bedankte mich bei ihm, stand noch kurz schweigend da und starrte auf das Bild, als wolle es mir etwas sagen. Ein paar Minuten verstrichen, ich weiß nicht mehr wieviel Zeit verging, als ich meinen Blick vom Bild abwandte um den Jungen, etwas zu fragen, doch er war weg. Ich war glücklich, wenn auch sehr verunsichert durch diese Begegnung, nahm es aber als besonderes Erlebnis mit. Das Bild kaufte ich um diesen besonderen Tag immer vor Augen zu haben, es bekam einen besonderen Platz zuhause.

Ich war dieser Begegnung sehr dankbar, weil es mich wach rüttelte uns mir klar wurde, dass ich mich vor nichts und niemandem verstecken brauchte.
Trotzdem war ich auch ein wenig traurig, weil ich gerne noch mehr erfahren hätte. Heute weiß ich immerhin, dass ich kein schlechter Mensch war und meine Fehler und Spliens hatte, wie jeder andere auch.

Seither habe ich diese Galerie nicht mehr betreten. An jenen Abend, hat sich mein Leben mit Sicherheit ein großes Stück verändert.

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