Eigene Wahrheit, reine Fiktion

 

Wer kennt es nicht, man sitzt in einer Runde zusammen und spricht über ein Thema. Alle wissen, worum es geht und bringen sich sinnvoll ein, während dieser eine Gesprächsteilnehmer, der so gar keine Ahnung vom Thema hat und dennoch rein redet.

Das längst alle gecheckt haben, dass er Mist erzählt, schreckt ihn nicht davon ab an seiner Meinung festzuhalten, diese als absolut richtig und einzig Wahres darzustellen. Solche Gespräche gehen sehr schnell zu Ende und die einst sehr interessante Unterhaltung ist vorbei.

Schade, denn das war in der Summe sehr lehrreich für alle und vor allem wäre es das auch für den Schlaumeier gewesen, weil er seine „Geschichte“ gegen Fakten hätte tauschen können. Sehr schade!

Oder jene, die sich hinstellen und versuchen, dir ihre Lebensweisheit aufs Auge zu drücken. Die selbst zurechtgeschnitzte Realität wird mit irgendwelchen Erlebnissen präsentiert, die nie stattfanden und einfach erlogen sind, um sich besser darzustellen als sie tatsächlich sind. Bedauernswert!

Warum macht man das? Wieso erfindet man sein Leben und baut daraus ne riesen Fiktion? Das Problem an der Lüge ist ja, dass man sie sehr oft erzählt und vor allem vielen Menschen.

Blöd wird es dann, wenn man selbst über sein Konstrukt stolpert, jeweils was dazu dichtet oder weg lässt und so für Widersprüche sorgt.

Oder wenn ein Verwandter davon etwas mitbekommt und das ganze dann als Lüge aufdeckt. Das ist dann aber schon eher Fremdschämen, weil vor allem der unbeteiligte Angehörige sich für den Blödsinn des anderen rechtfertigen muss, oder es einfach zumindest so empfindet. Schlimm!

Was aber verleitet manche Zeitgenossen dazu sich solche Storys auszudenken? Was hat man davon? Klar, wenn ich versuche mich hineinzuversetzen, mag man sich scheinbar besonders toll vorkommen, wenn man bestaunt oder gar als Held gefeiert wird.

Aber wenn ich nun mal auf meine laienhaften psychologischen Kenntnisse zurückgreife, ist das nichts anderes als der Versuch das Gegenteil von dem zu generieren was man tatsächlich darstellt.

Allem Anschein nach handelt es sich um gesellschaftlich benachteiligte Personen ohne jegliches Selbstvertrauen und wohl auch ohne Selbstwertgefühl, wo des Übels wurzel liegt.

So entsteht diese Situation unbedingt dazugehören zu wollen, bevor man unbeachtet an Rand steht und nicht mit dabei ist. Das nächste was einem dann auffällt ist die Art und Weise, mit der versucht wird, diese Geschichten an den Mann zu bringen.

Unangenehm laut und eindringlich, mit fest entschlossenem Blick und in einer regelrechten Angriffshaltung, gerade so als wolle man zum Sprung ansetzen, wenn Jemand auch nur den Versuch unternimmt, das erzählte anzuzweifeln.

Nicht zu unterschätzen ist auch, dass Menschen mit solch krankhaftem Verhalten kein Ende finden und zu ihrer selbsterschaffenen Realität, alles andere um sich herum herabsetzen um den Versuch zu unternehmen, sich so noch extra emporzuheben.

Wir verstehen uns richtig! Es handelt sich dabei nicht mehr um etwas Seemannsgarn beim Feierabendbier, sondern ist eine ernstzunehmende psychische Erkrankung, welche zu diesem Verhalten führt, nur erkennen das die betroffenen Personen selbst nicht.

Weiter ist es auch für Angehörige schwer den Erkrankten darauf aufmerksam zu machen, da die logische Konsequenz für ihn dann der Rückzug ist. Eine Abgrenzung von der Familie ist somit der Fall. Eigene Fehler gibt es in der falschen Realität nicht, es sind immer die Anderen, die falsch liegen!

Es ist schwierig, sich damit auseinanderzusetzen, wenn man selbst jemanden weiß, der diese Anzeichen aufweist. Am besten wird es sein, zu aller erst mal bei einer psychologischen Beratung um Rat zu fragen, bevor man sonst versucht, etwas zu unternehmen, was durchaus kontraproduktiv sein kann.

Auch wäre es ratsam, sich diesem negativen Energiefeld zu entziehen und nicht selbst Schaden zu nehmen.

Tagged , , . Bookmark the permalink.

2 Responses to Eigene Wahrheit, reine Fiktion

  1. Jasmine Linker says:

    Ich muss sagen, das gefällt mir sehr gut. Bei diesem Text bin ich geneigt erst einmal wieder bei mir zu schauen ob ich vielleicht so bin. Dann sehe ich weiter und schaue in meinem Umfeld nach und siehe da, da finde ich solche Menschen. Es kostet mich unheimlich Mühe mich aus solchen Gesprächen zurück zuziehen. Vor einem Jahr etwa habe ich noch sehr viel Energie aufgewendet um in diesen Gesprächen mit zu halten oder versucht denjenigen zu korrigieren oder gar zu „entlarven“ aber ich habe aufgegeben. Es hat keinen Sinn. Heute meide ich diese Gespräche in einer Runde und kommentiere sie nur noch mit: „Ah ja“, „So kann man es auch sehen“, „Kann sein“, „Nein, nicht möglich“, „Sowas“ usw.
    und geh dann meinen Weg und suche mir Menschen wo der Austausch Spaß macht und Energie mit sich bringt. Wo sich die Seelen treffen und sich mit den unterschiedlichsten Meinungen austauschen können.

    • Mark Knietsch says:

      Du musst dich immer selbst schützen, um nicht drunter zu leiden. Solche Menschen rauben Energie. Du machst das prima!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.