Das Luftschloss

In schillernden Farben, prächtig und anmutig wirkend, seinem Besitzer wohl gefallend und bis ins Detail ausgedacht. Stets erweitert durch neue, spektakuläre Erzählungen und in seiner stattlichen Anmutung ja schon beinahe bedrohlich wirkend. Das Luftschloss!
Mit jedem Detail was dazu gedichtet wird, nimmt es immer wahnwitzigere Dimensionen an. Dem Erbauer dieses Meisterwerks gedanklichen Größenwahns, steigt dieses Gebilde nicht nur zu, sondern über den Kopf, nimmt dem Verstand das Licht und der Flunkerei seine anfangs harmlos wirkende Anmutung.
Was stabil errichtet scheint, stellt sich als poröses Gebilde heraus, welches nach einer Weile allein durch den Windhauch gestellter Fragen zu wanken beginnt, um schließlich irgendwann mit wildem Getöse einzustürzen.
Da steht er nun, geistig obdachlos, mit geschundenem Blick und trägt seinen Selbstwert zu Grabe. Es spielen keine Posaunen, es wehen keine Lilien, es steht niemand da und findet tröstende Worte. Zurück bleibt ein Mensch, der sein Leben lang sein wahres Ich verleugnet und durch geschickte Inszenierungen ersetzt hat. Doch wie bei jeder Vorstellung, fällt auch hier irgendwann der Vorhang!
Verneige Dich! Verneige Dich vor deinem Spiegelbild, deinem schärfsten Kritiker. Vielleicht vermag es ja Trost zu spenden, Tränen zu trocknen und Wunden zu pflegen. Vielleicht aber auch nicht! Vielleicht nicht…
©2017/Mark Knietsch

Tagged . Bookmark the permalink.

One Response to Das Luftschloss

  1. Was für ein wunderschöner Text!
    Danke Mark. Sowohl die Poesie als auch die Gedankenanregung kommen nicht zu kurz.
    Herzliche Grüße Melanie

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.