ACHTUNG TRIGGERGEFAHR! Psychische Erkrankungen und was wir dagegen Tun können.

Vorsicht Triggergefahr! Bitte nur dann lesen, wenn Du psychisch gefestigt bist.

Ich möchte mit einer kleinen Geschichte wachrütteln, zum Nachdenken anregen und versuchen, reinfühlen zu lassen, wie es wohl jemandem in dieser Lage ergehen mag. Diese kleine Geschichte ist frei erfunden und soll nur eine Momentaufnahme darstellen. 


Mir ist fürchterlich kalt und ich habe solche Angst! Wieso kann ich mich nicht mehr bewegen und wieso kann ich nichts sagen? Was ist das für ein Lärm, um mich herum? Sanitäter überall um mich herum und warum ist es so hektisch? Moment mal, ich sehe mich selbst… Warum sehe ich mich denn jetzt plötzlich selbst und was zum Teufel ist hier los? Habe ich das wirklich gemacht? Sterbe ich gerade und muss mir selbst dabei zusehen? Oh Gott, macht doch bitte etwas!

Ich wollte das doch alles nicht, will hier und jetzt noch nicht sterben… Bitte…

 „Er atmet kaum noch und hat nur noch schwach Puls, wir müssen ihn intubieren.“ Der Notarzt arbeitet schnell, denn Eile ist geboten. Sie stellen die Beatmung her, schließen Infusionen mit Medikamenten an, um den Kreislauf zu stabilisieren und fahren auf dem schnellsten Wege ins Krankenhaus.

Könnt ihr nicht noch schneller fahren? Bitte… Ich glaube, wir schaffen es nicht mehr rechtzeitig und ich muss mich tatsächlich damit abfinden, dass es zu Ende geht. Es wird immer kälter hier im Wagen. Ich fühle mich wie in einer Glaskuppel gefangen, ich schreie so laut ich kann, aber ihr hört mich nicht und ich muss dabei zusehen, wie ihr versucht, meinen leblosen wirkenden Körper irgendwie am Leben zu halten.  Ich kann nicht mehr und muss wohl akzeptieren, dass ich jetzt sterbe. Wenigstens muss ich mir jetzt nicht mehr diese Gemeinheiten anhören und mich nicht mehr so mies behandeln lassen. So lange habe ich es ausgehalten… ich kann nicht mehr! Aber Moment, was wird jetzt aus Mama?  Mama… Daran habe ich bei meinen Problemen gar nicht mehr gedacht… Es tut mir so leid Mama! Bitte verzeih mir…

 Es dauerte eine Weile und die Sanitäter hatten alle Hände voll zu tun um den leblos wirkenden Patienten zu stabilisieren. Der Weg ins Krankenhaus wirkte derweil wie eine Ewigkeit. Dort angekommen, geht alles sehr schnell und geordnet von statten. Im Schockraum angekommen, wird er sofort an die Monitore angeschlossen und damit begonnen, den Magen auszupumpen, um den toxischen Inhalt zu entfernen.

„Was hat er zu sich genommen?“ fragte der Arzt, der den Patienten übernahm, während er mit dem Auspumpen begann. „Es war eine ganze Packung Schlafmittel, welches mit Wein eingenommen wurde. Seine Mutter hat ihn ohnmächtig auf seiner Couch vorgefunden und uns sofort verständigt“. „Gerade noch rechtzeitig“ sagte der Arzt und schob den Apparat zur Seite, nachdem der Magen ausgepumpt wurde. Plötzlich schrilles Piepen der Monitore, alles blinkte, es wurde nochmal hektisch, Herzstillstand!

Jetzt muss es schnell gehen, eine Schwester schnitt das T-Shirt auf, während eine andere den Defibrillator holte und nach Anordnung des Arztes einstellte. Der Arzt nahm die Paddles, drückte sie auf den Brustkorb, rief noch laut „Weg vom Tisch“, betätigte den Knopf und der leblose Körper krampfte. Nach zwei Versuchen, war wieder ein Herzschlag da.

Es wurden Medikamente zur Stabilisierung des Kreislaufs gespritzt. Als der Patient nach einer Weile wieder einigermaßen stabil war, wurde er auf die Intensivstation verbracht um dort weiter überwacht zu werden. Sie hatten es gerade nochmal geschafft und jede weitere vergangene Minute hätte diesen Erfolg zu Nichte gemacht.

Es dauerte einige Stunden, bis er wieder langsam erwachte und ansprechbar war. Seine Mutter saß weinend neben ihm und hielt seine Hand als er wach wurde. Er sah seine Mutter an und es liefen ihm Tränen über die Wange. Sprechen fiel ihm noch schwer, weil der Hals noch vom Tubus schmerzte und so richtig wohl war ihm auch noch nicht.

Er fühlte sich schwach und sah sich einfach nur um. Nahm so gut es ging sein Umfeld war. Die Monitore, all die Schläuche und Kabel. Aber es war ihm nicht mehr kalt und die weiche, warme Hand seiner Mutter gab ihm wieder ein wenig das Gefühl von Geborgenheit.


Zugegeben, ich habe das wohl sehr hart und sehr theatralisch geschrieben. Aber es ist hart, wenn man überlegt, wie viele Mitmenschen mit psychischen Problemen leben und sich nicht öffnen trauen, aus Angst, dass sie verspottet und verurteilt werden. Psychisch krank wird direkt mit Geisteskrank in einen Topf geworfen. Dabei sind es die Umstände, welche tagtäglich vorherrschen, welche sie erst so krank gemacht haben. Mobbing, Hohn und Spott, wenn jemand nach Ansicht anderer, nicht in die Gesellschaft passt, oder auf Grund körperlicher Erkrankungen gering geschätzt wird.

Oder Burnout und daraus resultierende Depressionen, was als Schwäche abgetan wird. Es führt dazu, dass man sich zu nichts Nütze fühlt und es wird den Betroffenen somit unmöglich gemacht, sich zu öffnen und nach Hilfe zu suchen. Hilfe, die so unheimlich wichtig wäre um ihren Zustand positiv zu verändern und die Chance zu haben, wieder gesund zu werden.

Dabei ist es gar ein Leichtes, einem Betroffenen zu helfen. Man muss nur Aufmerksam sein und Zuhören. Seine Mitmenschen um sich herum wahrnehmen und im Zweifelsfall lieber einmal mehr nachfragen, wenn man das Gefühl hat, dass mit der Person etwas nicht stimmt, als dass man es ganz lässt. Gerade bei Mobbing, was extreme Formen annehmen kann, darf man nicht wegsehen, sondern betroffenen Person beistehen und gemeinsam Hilfe suchen um dagegen vorzugehen.

Mit einer gesunden Portion Empathie ist das durchaus möglich und man kann jemandem, der tatsächlich Probleme hat, eine Hilfe sein. Achten wir alle etwas mehr auf die Menschen in unserer direkten Umgebung, vermitteln wir das Gefühl, gesehen zu werden. Verhalten wir uns fair und respektvoll seinem Gegenüber und unterlassen wir es, etwas klein zureden und als unwichtig abzutun, was uns erzählt wird.

Dieses Pauschalisieren ist es, was Menschen mit psychischen Problemen so zu schaffen macht, an sich selbst zweifeln lässt und sie letztlich in die Einsamkeit treibt, aus der es aus Sicht der Erkrankten oftmals keinen anderen Ausweg gibt, als jenen, wie er eingangs in dem Beispiel beschrieben wird.

Für Betroffene:

Bei suizidalen Gedanken und Sorgen kann man sich jederzeit an die Telefonseelsorge wenden! Diese ist anonym und jederzeit unter folgenden Telefonnummern zu erreichen:

0 800 / 111 0 111 und 0 800 / 111 0 222

Zögert nicht und ruft an, es wird euch mit offenen Ohren und Tipps geholfen.

Danke!

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