Lob und Tadel

Ein Szenario:
Es ist ein guter Tag, die Arbeit geht einem super von der Hand und es läuft alles prima. Du bist froh, dass es keine Komplikationen gibt und bringst alles zu Ende.
Der Vorgesetzte kommt vorbei, erkundigt sich nach dem Stand der Dinge und stellt fest, dass alles im Zeitplan liegt und teilweise sogar früher fertig ist. Er spricht lächelnd seine Anerkennung für deine Leistung aus.
Du nickst, lächelst kurz und machst weiter. Die lobende Worte finden keinen Adressaten, du bist in dem Moment wie mit Teflon beschichtet!
Ein weiteres Szenario:
Du stehst Zuhause in der Küche und bereitest das Abendessen zu. Alles klappt super! Du richtest die Teller an, deckst den Tisch und rufst deine lieben zum Essen herbei.
Alle sind zufrieden mit dem Essen, die Teller werden restlos leer gegessen und es wird geschwärmt, wie lecker es war und was für ein toller Koch du bist.
Statt dieses Lob anzunehmen, kritisierst du selbst an deinen Essen herum und stellst unbewusst die positiven Aussagen deiner Familie in Frage.
Noch ein Szenario:
Im Betrieb läuft es nicht so gut. Aufträge bleiben stehen, Material fehlt und du hast bei all der Hektik und der Krankheitsvertretung, welche du nebenher noch machen musst, eine Materialbestellung vergessen.
Nun kann der angearbeitete Auftrag auch nicht fertig gestellt werden. Du bist am Limit und schaffst dieses Pensum einfach nicht, ohne dass sich Fehler einschleichen. Der Chef ist sauer, er muss schließlich den Kopf dafür hinhalten und macht dir Vorwürfe.
Du siehst deine Arbeitsleistung zu recht in Frage gestellt und es geht dir damit schlecht. Der Tag und auch die nächsten sind gelaufen. Grübeln, Selbstvorwürfe, du beschimpfst dich selbst.
Diese drei Szenarien werfen eine ganz zentrale Frage auf: Wieso fällt es so schwer, Lob anzunehmen, das klar berechtigt ist und was bringt uns dazu, dies stattdessen mit Tadel und sonstigem negativen Feedback zuzulassen?

Ein Lob, welches uns eigentlich heben sollte, was uns mit Stolz erfüllen sollte, prallt ab, während man negative Aussagen wie ein Schwamm aufsaugt.
Ich möchte hier garkeinen Grund nennen, oder eine von mir erdachte Lösung präsentieren. Nein… Ich würde das gerne diskutieren. Würde gerne eigene Erfahrungen und Meinungen dazu lesen.
Ich würde mich freuen, wenn sich so mancher dazu bereit erklärt, sich ein Stück weit einzubringen. Eventuell zeigt es mir noch eine ganz andere Sichtweise auf die Dinge, die ich bisher noch garnicht bedacht habe.
Alles kann, nichts muss! Wenn ich keine Antworten bekomme, bin ich nicht böse. Gerne nehme ich diese auch per Mail, FB-Messenger oder WhatsApp entgegen und behandle diese anonym.
Also nur zu. Ich freu mich auf euch!

Bookmark the permalink.

2 Responses to Lob und Tadel

  1. Grisuline Erdhörnchen says:

    Wenn man als Kind ich war 3 einhalb Jahre alt als meine Schwester und ich in der Küche beim abtrocknen helfen mussten, nicht einmal sondern täglich und als mein Bruder zir Welt kam habe ich noch mehr Aufgaben bekommen und nie war es richtig oder gut. Es wurde nicht gelobt Nein es wurde geschimpft und bestraft. Je älter ich wurde um so mehr Aufgaben bekam ich zu erledigen spielen oder Zeit zum lernen oder für mich gab es nicht. Meine Schwester musste die Aufgaben nur übernehmen wenn ich nicht da oder krank war.
    So habe ich gelernt egal was du machst es ist nicht richtig oder gut genug und wenn dich einer lobt meint er es nicht ernst und so habe ich für mich beschlossen das Lob nicht positiv sein kann und Zweifel alles an auf Arbeit immer noch. Bei mir privat seit 2012 nicht mehr so stark aber es kommt immer wieder vor Lob nicht anzunehmen und darüber nachzudenken und sich selbst schlecht zu machen.

    • Mark Knietsch says:

      Das bestätigt meine bisherige Vermutung, dass es sich dabei hauptsächlich um kindliche Konditionierung zu tun hat. Vielleicht auch, um noch eine meiner Ideen preiszugeben, dass man als Kind nicht genügen, oder richtig auf den Moment des verlierens, des fehkermachens vorbereitet wurde… Könnte tatsächlich sein.

      Ich danke Dir für deinen Mut und hoffe, dass sich noch jemand ein Beispiel an dir nimmt. Danke! 😊

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.