EIn Erlebnis

Sitze grad in der Augenarztpraxis,  welche damals vertretungsweise mein Auge untersuchte,  nachdem ich die ersten, was ich damals noch nicht wusste,  Probleme mit der MS bekam.  Irgendwie ein krasses Gefühl, hier zu sitzen. Denn irgendwie hat man,  obwohl ich das schon dachte verdaut zu haben,  immernoch eine stink Wut im Bauch,  dass der junge Arzt damals so lapidar mit meinem Problem umging. Womöglich hätte man schneller behandeln können und das Augenlicht somit vollends erhalten können.  Aber fraglich ist,  ob überhaupt ein Augenarzt darauf gekommen wäre,  weil er ja nur ins und nicht hinters Auge sehen kann. Jetzt,  zwei Jahre später ist schon so viel Wasser die Donau runter geflossen,  dass es auch keinen mehr interessieren dürfte. Aber dennoch Wahnsinn,  was das für Gefühle auslöst.

Ich bin garnicht mal dem Arzt böse,  was hätte man machen wollen….  Aber trotzdem bin ich froh das es so ist,  wie es ist,  denn es hätte was weit schlimmeres als die MS sein können. Somit kann man schon wieder dankbar sein,  wie das Schicksal es eben meinte. Ich sehe das ganze als Challenge…  Eine Herausforderung!  Never give up,  wie viele sagen,  was tatsächlich auch wirklich dumm wäre,  denn man sollte es als Warnschuss ansehen,  aus seinem Leben was zu machen.  Für sich das Optimum finden und glücklich werden.  Ob nun mit einem Auge oder zwei…  Egal!  Glücklich bin ich allemal,  denn ich habe durch das ganze meine Berufung gefunden! Und ich habe euch gefunden!

Depression

Viele können es nicht nachvollziehen,  oder überhaupt verstehen,  wenn es einem psychisch nicht gut geht.  Schließlich ist das Leben doch schön,  die Sonne scheint,  die Natur ist schön anzusehen  und womöglich kann man bei einem leckeren Eis tolle Spaziergänge an der frischen Luft machen. Nun stellt sich bei vielen die Frage,  wieso manche Menschen traurig oder einfach nicht gut drauf sind.

Depressionen sind keine Kleinigkeit,  keine momentane Mißstimmung oder Phase.  Um an einer Depression zu erkranken,  bedarf es eigentlich immer abnormes psychisches Leid. Es ist dann schwierig,  aus dieser Situation einen Ausweg zu finden.  Man fühlt sich schlecht,  weil man das Gefühl hat unzulänglich zu sein, kann es nicht recht machen,  fühlt sich unverstanden und der Rückzug ist nur noch Formsache.  Es wird schlimmer,  man beginnt sich selbst nicht mehr wertzuschätzen,  geht sogar sehr hart mit sich selbst ins Gericht.  Kleinste Fehler haben große emotionale Auswirkungen.  Selbsthass überwiegt Selbstliebe,  man brennt total aus und wandelt nur noch wie eine gefühlt leere Hülle durchs Leben.  Immer versucht etwas anderes zu spüren,  Anerkennung zu bekommen,  gibt man sich selbst total auf um sich an Gefälligkeiten messen zu lassen.  „Ich tu dir gerne was gutes,  wenn Du mir im Gegenzug das Gefühl vermittelst,  etwas in der Gesellschaft wert zu sein.  Die Spirale dreht sich weiter abwärts.Irgendwann ist der Punkt erreicht,  an dem man sich selbst nicht mehr als Lebens- sowie Liebenswert wahrnimmt.  Suizidale Gedanken,  was wäre wenn….  Würde es jemandem auffallen?  Wäre eventuell manches besser…  Und noch schlimmere Gedanken.Spätestens jetzt,  ist eine gereichte Hand,  ein paar warme und ehrliche Worte die richtige Hilfe. Vorwürfe,  Unverständnis und Höflichkeitsfloskeln Schaden sonst nur zusätzlich.

Depressive Menschen  sich teils wahre Meister darin sich zu verstellen,  beinahe Oskarreif, wenn es darum geht eine Fassade zu errichten und nach Außen hin zu signalisieren,  dass alles gut ist.  Immer ein  Lächeln,  immer nen Spruch,  alles bestens und innerlich am zittern,  wenn unvorhergesehene Situationen und Konfrontationen auftreten,  welche man nicht vorausberechnen konnte.  Solche Situationen wackeln immer an diesem Konstrukt,  diesem Kartenhaus,  was sich depressive Menschen errichten.  Zuhause,  brechen sie unter dem erlebten zusammen,  verkriechen sich und kämpfen mit Apetitlosigkeit,  Gefühle der Trauer,  Selbsthass… Ich wurde mal gefragt,  wie sich eine Depression anfühlen mag.  Ich sagte: „wenn du aus irgend einem Grund traurig bist und womöglich sogar weinst,  tröstet dich jemand oder es ist ein tröstlicher Gedanke,  der die Tränen trocknen  und dich wieder positiver denken lässt.  Die Seele reinigt sich,  Optimismus stellt sich ein,  und man schöpft Kraft.  Bei  einer Depression fällst du in ein Loch,  viele Gründe und Situationen waren nötig um dich in diese Situation bringen und du kannst aus der Summe dessen nur schwer einen Grund nennen,  welcher mitverantwortlich war,  weils einfach zu viele Situationen und Schicksalsschläge waren.  Man ist dauertraurig,  verliert das Selbstwertgefühl und endet schließlich bei absolutem Selbsthass.  Man gibt sich in der Regel für alles die Schuld,  ja man sucht regelrecht nach einen Grund im sich schuldig zu fühlen. Wird einem Unrecht getan,  fühlt man sich auch dafür noch schuld.  Ein absoluter Teufelskreis.

Man sieht,  dass es zum einen nicht viel braucht,  um depressiv zu werden und es jeden treffen kann.  Eine Depression ist eine psychische Erkrankung,  welche nicht auf die leichte Schulter genommen  werden darf.  Offene Augen,  Empathie und eine freundliche Geste vermögen da schon  ein Anfang zu sein.  Der Anfang für den Erkrankten sich Hilfe zu suchen und das Ende dieser schlimmen psychischen Erkrankung.  Ich danke jedenfalls jedem,  der menschlich handelt und nicht wegsieht.

Erkrankung und Familie

Es ist ein schwerer Schlag,  wenn man die Diagnose Multiple Sklerose bekommt.  Es bricht für einen selbst erstmal die Welt zusammen.  Der Gedanke,  unheilbar krank zu sein,  wiegt schwer und es dauert eine ganze Weile,  bis man eine  klaren Gedanken fassen und nach vorne blicken kann.  Dies ist aber die Sicht eines Erwachsenen.  Wie sieht es da mit den Kindern aus?  Aus eigener Erfahrung weiß ich,  dass die Kinder schwer daran zu tragen haben. Meine Tochter jedenfalls tat sich extrem schwer mit der Situation. Papa lag in Krankenhaus und sie besuchten mich so oft es ging.  Doch jedes mal brach meine Tochter in Tränen aus.  Sie will nicht,  dass es Papa schlecht geht.  Das schmerzt,  wenn man seine Kinder so sieht, mir der Sorge in den Augen.  Sie sind zu klein,  um solch ein Leid erfahren zu müssen. Die Abschiede taten ihr übriges dazu und so war es immer mit vielen Tränen verbunden. Was für Narben dies auf einer so jungen Seele hinterlässt,  zeigte sich Monate später,  als wir nur zum abholen meiner MRT-Bilder ins Krankenhaus fuhren.  Wir kamen in der Röntgenabteilung an und plötzlich stand meine Tochter da,  schluchzend und nur schwer zu beruhigen mit den Worten „ich will nicht,  dass du ins Krankenhaus musst!“

Erst in diesem Moment verstand ich,  wie extrem diese Narben,  diese Ängste waren.  Es brach mir das Herz und warf zugleich die Frage auf,  wie man die Kinder denn auf so etwas vorbereiten könnte um den Kummer erst garnicht aufkommen zu lassen.  Aber es geht nicht.  Man kann die Kinder nicht raus haltenhalten,  ganz egal,  was man auch versucht. Man muss mit Ihnen  reden,  sie behutsam hinführen zu diesem Thema.  Warum muss Papa so oft zum Arzt,  wieso muss er so viele Medikamente nehmen und wieso ist Papa immer so Müde?  All diese Fragen vor es behutsam zu bearbeiten.. Gemeinsam! In solch einem Fall kann man nicht mit nüchternen Daten und Fakten ums Eck kommen, wie es der Arzt mit einem Erwachsenen macht.  Da kommt selbst ein erwachsener Mensch ins wanken,  wenn er knallhart konfrontiert wird.  Wie also soll erst ein Kind darauf reagieren? Klar.  Kasperletheater und Co sind vielleicht ne Möglichkeit,  aber zielführend?  Wohldosiert muss es sein. Eventuell nur einzelne Bereiche behandeln und nicht gleich die volle Dröhnen,  da die Kinder sonst zu machen.

Ein Wasser Glas kann eben nur bis zum Rand Flüssigkeit aufnehmen,  alles weiter läuft über.  Dieses Prinzip trifft auch auf Kinder zu.  Will man es nun Schutzfunktion nennen,  oder sonst wie,  jedenfalls hat es durchaus seinen Sinn,  dass Kinder so  reagieren um sich selbst unterbewust zu schützen.  Erwachsene erleben es ähnlich und jeder dürfte diese Situation kennen.  Es dürfte also tatsächlich zweckmäßiger sein,  immer  nur mal einzelne Themen dieses großen Ganzen zu erklären. Zugegeben,  ich habe eine Vorteil,  da mein Sohn ebenfalls chronisch krank ist und schon einiges durch hat.  Solche Themen sind ihm nicht fremd und er versteht einiges besser. Auch als ich im Krankenhaus war,  ist es für ihn kein großes Problem gewesen.  Er weiß,  im Krankenhaus wird einen geholfen, es ist also was gutes.  Das hilft mir auch es meiner Tochter verständlicher zu machen,  weil er es ihr auf seine Weise erklären kann.  Dies war auch gut so und immer dann,  wenn die Kids fragen haben,  wird sich die Zeit genommen und das ganze dann erklärt.  Wir fahren gut mit dieser Methode und ich kann es jedem nur ans Herz legen.  Nicht vertrösten,  nicht abweisen, Zeit nehmen!  Nichts kann in diesem Moment wichtiger sein!

Eins noch…. Es kommt natürlich immer auch auf das Kind an,  wie es psychisch beschaffen ist.  Eventuell ist man selbst garnicht geeignet, solche Themen zu behandeln,  weil man selbst Angst davor hat oder gar nichts davon an sich ran lassen mag. In diesem Fall rate ich,  den Kinderarzt bzw.  einen Kinderpsychologen im Rat zu fragen. Es reicht manchmal aber auch schon eine Person,  der das Kind vertraut.

MS und Partnerschaft

Eine solch schwerwiegende Änderung im Leben wirkt nicht nur auf den Erkrankten schwer,  den die Diagnose getroffen hat.  Es ist auch für den Partner oder die Partnerin schwer,  dieses Schicksal an sich heran zu lassen.  Ist es dann noch so,  dass man dem Partner die Erkrankung nicht direkt  ansieht,  weil es sich um eine  Autoimmunerkrankung handelt,  macht das die Sache noch schwieriger. Man kann nicht hinein sehen,  man kann maximal mitfühlen und Verständnis haben,  aber es kommt im wesentlichen darauf an, wie der Erkrankte seinen Lebenspartner mit einbezieht.

Erklären wie es einem geht,  Rücksicht fordern  wenn nötig und Verständnis fördern wenn machbar.  Dabei ist es aber entscheidend wie man die Dosis wählt.  Wer seinen Partner kennt,  weiß um sein Geschick solche Dinge zu verarbeiten, deshalb gibt es da keine Maßgabe, sondern es muss individuell geführt werden.
Man kann bei zu schnellem vorspreschen nämlich genau das Gegenteil bewirken. Dies gilt aber nicht nur für die alltäglichen Dinge,  die es zu bewerkstelligen gilt. Auch der sexuelle Aspekt spielt dabei eine große Rolle, nur wird das Thema aus Scham gerne totgeschwiegen.  Autoimmunerkrankungen wie die MS können nicht nur das zentrale,  sondern auch das vegetative Nervensystem betreffen. Empfindsamkeiten werden gemindert,  das sexuelle Verlangen herabgesetzt. Dies ist aber keine absichtlich Handlung des Erkrankten,  sondern die Erkrankung selbst,  welche auf die Libido einwirkt.In solche Fällen empfinde ich es als absolut wichtig,  das Gespräch mit dem Partner zu suchen, um nicht womöglich ein falsches Gefühl aufkommen zu lassen.  Mangelt es an der Liebe,  oder stimmt was anderes nicht?  Solche Fragen wirft es ganz schnell auf,  wenn man nicht miteinander spricht.

Abschließend sei gesagt,  dass man dann am besten gemeinsam zu einem Arzt geht um sich Hilfe zu holen.  Meist kann man solch ein  Problem medikamentös lösen und der Unmut hat ein Ende.Nur bitte redet offen miteinander! Traut eurem Partner mehr Verständnis zu und nehmt Euch an der Hand.  Gemeinsam und nicht einsam!

Ängste

Ängste sind schon immer Bestandteil der menschlichen Psyche,  zumal es dabei nicht nur um irrationale Ängste geht,  sondern schon seit Urzeiten dem Fortbestand der menschlichen Rasse dienlich ist.  Wer Angst hat,  ist vorsichtig bei Gefahren. Auch in der heutigen Zeit ist Angst wichtig,  um sich nicht leichtsinnig Gefahren auszusetzen, bzw. unüberschaubaren Situationen mit Bedacht zu begegnen.Angst kann aber auch eine krankhafte Verstimmung der Psyche sein.  Zukunftsangst beispielsweise,  wenn man nicht planen kann,  wie es weiter geht,  man wie bei einer körperlichen Erkrankung Angst vor Hilfsmitteln hat,  oder wie andere Menschen einen sehen und begegnen.  Dies ist ernstzunehmen und sollte in gezielten Gesprächen beseitigt bzw gemildert werden.  Oftmals reichen da schon Gespräche mit anderen Betroffenen,  welche diese Angst schon einmal thematisiert hatten und ihren Weg fanden.

Ängste sind vielseitig und in unterschiedlichster Intensität, was oftmals einen Besuch bei einem Facharzt sinnvoll macht. Auf die lange Bank schieben,  oder verharmlosen darf man diese Ängste nicht,  weil Ihnen immer ein Problem zu Grunde liegt,  welches es herauszufinden gilt.  Nur so kann man diese Form der Angst bewältigen und aufarbeiten.Dabei ist völlig gleich,  um was für eine Angst es sich handelt! Als Kind der dunkle Keller,  wieder ins Auto steigen nach einem heftigen Unfall, Angst vor Zurückweisung,  Versagensangst usw.  All diese Ängste führen bei Nichtbeachtung zu psychischen Erkrankungen und möglicherweise dazu,  sich selbst zu isolieren.  Depression und andere psychische Erkrankungen entstehen auch aus solchen Ängsten.

Gebt bitte auf Euch acht!  Wenn Ihr vor etwas Angst habt,  dann scheut Euch nicht,  einen Gesprächspartner Eures Vertrauens aufzusuchen.  Es muss nicht sofort ein Arzt sein.  Der Bruder,  die Tante,  der beste Freund,  einfach eine Person mit großem Bezug für Dich und öffne Dich!  Ich wünsche so etwas aus eigener Erfahrung heraus niemandem,  dass er auf Grund von Ängsten in eine Depression fällt.  Ich wünsche jedem Gesundheit und Freude!

Euer Mark