Das Luftschloss

In schillernden Farben, prächtig und anmutig wirkend, seinem Besitzer wohl gefallend und bis ins Detail ausgedacht. Stets erweitert durch neue, spektakuläre Erzählungen und in seiner stattlichen Anmutung ja schon beinahe bedrohlich wirkend. Das Luftschloss!
Mit jedem Detail was dazu gedichtet wird, nimmt es immer wahnwitzigere Dimensionen an. Dem Erbauer dieses Meisterwerks gedanklichen Größenwahns, steigt dieses Gebilde nicht nur zu, sondern über den Kopf, nimmt dem Verstand das Licht und der Flunkerei seine anfangs harmlos wirkende Anmutung.
Was stabil errichtet scheint, stellt sich als poröses Gebilde heraus, welches nach einer Weile allein durch den Windhauch gestellter Fragen zu wanken beginnt, um schließlich irgendwann mit wildem Getöse einzustürzen.
Da steht er nun, geistig obdachlos, mit geschundenem Blick und trägt seinen Selbstwert zu Grabe. Es spielen keine Posaunen, es wehen keine Lilien, es steht niemand da und findet tröstende Worte. Zurück bleibt ein Mensch, der sein Leben lang sein wahres Ich verleugnet und durch geschickte Inszenierungen ersetzt hat. Doch wie bei jeder Vorstellung, fällt auch hier irgendwann der Vorhang!
Verneige Dich! Verneige Dich vor deinem Spiegelbild, deinem schärfsten Kritiker. Vielleicht vermag es ja Trost zu spenden, Tränen zu trocknen und Wunden zu pflegen. Vielleicht aber auch nicht! Vielleicht nicht…
©2017/Mark Knietsch

Luftschlösser und deren Baumeister

Wer kennt es, du sitzt bei einer Gruppe von Leuten, einer erzählt und prahlt über super tolle Erlebnisse und Geschehnisse die er erlebt haben mag. Ein Großteil der Zuhörer feiert in wie einen Helden und du legst die Stirn erst in Falten, dann in die Hand und denkst dir, wieso man nur solchen Seemannsgarn erzählen muss, aber auch wieso die anderen dazu applaudieren. Haben sie es längst erkannt und wollen ihn nicht Bloß stellen, oder sind sie wirklich so einfach hinters Licht zu führen?

Zugegeben, manche Artgenossen lügen so geschickt, dass man tatsächlich erstmal drauf rein fällt, was daran liegt, dass man den gegenüber nicht sehen kann, weil telefoniert oder geschrieben wird. Und es gibt tatsächlich Menschen die ihr Spiel so perfekt beherrschen, dass man selbst an der Mimik kaum zu erkennen vermag, dass sie lügen. Jene Menschen sind arm dran, weil sie sich ihre Lügen gar selbst glauben, leben in einer fiktiven Welt und müssen diese wahren, weil sie ohne diese plötzlich mit Nichts da stehen.

Wenn ich die Möglichkeit habe, lenke ich mich von solchen Geschwätz ab und ist dies nicht möglich, verlasse ich den Ort. Man kann das nennen wie man mag, aber ich finde es anstrengend, es besser zu wissen, aber nicht aussprechen zu wollen um niemanden bloß zu stellen. Klar wäre es mir ein leichtes, zumal ich es interessant finde die Mimik anderer zu deuten. Man erkennt sehr schnell ob jemand sich ertappt fühlt, schlecht drauf ist, oder schier keine Ahnung hat. Letzteres erkenne ich sehr oft. Aber sei es drum, soll ein anderer seinen Fuß ins Fettnäpfchen stellen.

Ich für meinen Teil halte es weiter mit dem Leitsatz, dass man bei Ahnungslosigkeit besser mal die Klappe hält. Lügen finde ich charakterlich auch sehr schwach und zu anstrengend wäre es mir obendrein! Eine kleine Flunkerei in Ehren, mehr aber auch nicht. Und selbst diese müssten nicht sein, brächte man sich nicht erst in eine Lage, die solch ein Handeln nötig machen würde. Ehrlich wehrt eben doch am längsten!