Wie sich MS anfühlt

Es geht nun schon seit Stunden so, dieser beschwerliche Weg, leicht bergauf auf felsigen groben Steinen. Drückend schwül ist es und trotz dem, dass es nicht all zu warm ist, schwitze ich leicht. Mein Kopf fühlt sich an als leuchte er rot,  als ob ich Fieber hätte. Ich kann nicht mehr. Der Weg will nicht enden, ich sehe ungern nach vorne, denn es kommt einem so vor, als ob er nicht nur unendlich ist sondern auch schmäler wird. Grausam, ich muss kurz pausieren. Es ist eine von vielen Pausen, zählen kann ich sie schon nimmer und mag meinen Kopf damit auch garnicht belasten. Eben dachte ich noch es wird etwas flacher, leichter, es war nur kurz, jetzt wurde es gar noch etwas steiler. Meine Beine schmerzen, ich bin so unendlich müde und es mangelt mehr und mehr an Kraft. Der Weg mag nicht enden, eine einzige Quälerei! Es ist gerademal Nachmittag, noch so lange, bis endlich das erlösende Ziel in Sicht ist. Essen wäre mir auch lieb, aber genießen kann ichs doch nich, weil ich zu müde sein werde. Allen Mut und alle Kraft nehm ich zusammen, kämpfe weiter, tu was ich kann, obwohl mittlerweile der Akku am Ende ist. Die Beine gefühlt ne Tonne schwer, bekomme sie kaum noch vom Boden hoch, alles, wirklich alles tut weh. Zu den schmerzenden Beinen gesellen sich nun noch Schwindel, neuropatische Schmerzen und Sehprobleme. Ich bin nur noch ein einziges schmerzenden und kraftloses Stück Fleisch. Aus Kognitives Sicht würde der 500watt Strahler durch ein Teelicht ersetzt.  Ich kann nimmer! Endlich bin ich angekommen, endlich kann ich ruhen, schlafen… Der Tag ist zu Ende. 
Das war nun ein MS-Alltag als kleine Geschichte dargestellt, damit man, wenn man selbst nicht erkrankt ist, verstehen kann, wie sich ein ganz normaler Tag für einen MS-Kranken anfühlt. Es ist schlimm, weil man gerne so viel tun möchte, aber garnimmer dazu in der Lage ist. Der „normale“ Alltag ist für uns schon ein Kampf. Noch irgendwelche Extras dazu führen in der Regel zu einer Überanstrengung, welche wir mit heftigen Schmerzen und Erschöpfung bezahlen. Abends noch in einen Club? Fehlanzeige! Mit den Kindern noch ne Runde Radfahren? Keine Chance! Es macht traurig, wenn man sich immer aus allem rausziehen muss. Man möchte das ja nicht, hat aber keine andere Wahl. Nachmittags noch eben eine Tasse Kaffee runtergestürzt, in der Hoffnung dass man etwas heller wird, um dann kurze Zeit später auf der Couch einzuschlafen. Wenn einen wie in meinem Fall, die Schmerzen schlafen lassen.

Ich hoffe, ich konnte etwas Aufschluss bieten, über den Alltag als MS-Kranker. Vielleicht kann man als gesunder durch diese Geschichte etwas hineinfühlen, wie es für einen chronisch kranken ist. Ich würde mini über ein Feedback freuen.