Wenn die Seele schmerzt.

Der Alltag ist schwer zu stemmen, alles wiegt ungeheuer schwer und hindert daran, schnell voran zu kommen. Während dessen nähren sich Selbstzweifel und man denkt zu viel nach. Negativ sind die Gedanken und man stellt alles in Frage. Wer bin ich, wieso bin ich und für was bin ich vorgesehen?

Interessen werden in den Hintergrund gestellt, weil man sich nichts zutraut. Unzufriedenheit gesellt sich zu den Selbstzweifeln und generieren gemeinsam einen weiteren Feind, den Selbsthass. Nicht nur, dass man zu verschiedenen Dingen nicht im Stande ist, nein, man gibt sich selbst deswegen noch die Schuld daran.

Man sieht anderen Menschen zu, sie lachen unbeschwert, haben Spaß und ihr Leben scheinbar fest im Griff. Man beginnt zu vergleichen, stellt sein komplettes Leben auf den Prüfstand, allerdings mit mäßigem Erfolg. Einzig dass die Abwärtsspirale noch schneller zu drehen beginnt.

Bislang sorgte man mit Gefälligkeiten dafür, dass man Menschen um sich herum hatte. Vermeintliche Freunde, die dann doch nur deine Fähigkeiten ausnutzten. Auch da wurde es rar. Glücklicherweise begab ich mich noch gerade rechtzeitig in Behandlung.

Man sitzt da vor einem alternden Iren, seines Zeichens Psychologe, ein cooler Hund noch dazu und weiß nicht so recht wo man beginnen sollte. Das klärte sich aber recht schnell und mit jeder Frage die er mir stellte, demontierte er mein bisheriges Bild von mir selbst und von meinem Umfeld mehr und mehr.

Die Blase platzte und tausende Teile lagen in Scherben vor einem. Damals war es für mich der Punkt, wo ich in der Therapiesitzung weinend zusammensackte. Alles war weg, alles kaputt. Er beruhigte mich und stellte mir eine positive Wandlung in Aussicht, wenn ich fleißig daran mitarbeite.

Ich fuhr an dem Abend nach Hause. Die Frage meiner Frau, wie es denn war, beantwortete ich mit „toll“ obwohl mir schon wieder nach weinen war.

Es sollten spannende Monate werden, manche schön und sehr lehrreich, andere beschämend und schmerzvoll. Aber ich machte alles was von Nöten war, um mich wieder zu finden. Die vielen tausend Teile der geplatzten Blase wurden beackert und aussortiert. Was übrig blieb, wurde wieder neu zusammengefügt.

Es schien sich auszuzahlen. Im Jahr 2014 dann die Diagnose MS und ich war so froh, noch in Behandlung zu sein. Dadurch fiel es mir leichter, die Diagnose anzunehmen. Irgendwann war das Ende der Therapie erreicht. Ich fühlte mich toll und wie neu. Hatte Lust auf etwas neues. Schaffte mein altes Hobby ab und begann zu schreiben. Es war alles super bis jetzt…

Drei Jahre später, ziehen mich wieder öfter depressive Episoden runter, wobei ich aktuell schon eher der Meinung bin, in einer handfesten Depression zu stecken. Kann aber auch sein, dass es einfach nur zu viel war in der letzten Zeit und dann noch die Operation.
Möglicherweise war ich auch einfach nur zu vorschnell mit meiner Annahme, dass ich die letzte Depression schon überwunden hätte. Möglich…

Ich werde mich mit meinem Neuro darüber beraten. Mal sehen wie er das ganze einschätzt und dann geht’s auch schon auf Reha. Ich bin mir sicher, es wird wieder alles gut! Wie sagt man so schön, am Ende wird alles gut und ist es noch nicht gut, so ist es noch nicht das Ende!

Verrückt sein macht Spaß und befreit!

Ernst ist das Leben, jeden Tag aufs neue sind wir alle gefordert, uns den wichtigen Dingen zu widmen, uns regelrecht diesem Regelwerk zu unterwerfen, was irgendwann mal, irgendwelche schlauen Köpfe beschlossen haben. Sicherlich ist nicht alles schlecht, ganz gewiss nicht. Was wäre die Welt ohne Regeln und was wären wir, wenn wir nicht ein „geregeltes Leben“ hätten. Wir würden wie planlose Hühner durch die Gegend irren und alles ginge drunter und drüber. Es ist also von Nöten, dass wir einem gewissen Regelwerk folgen und uns zivilisiert benehmen, weil dies eine Zivilisation wie die unsrige erst ausmacht.

Gut, sieht man sich manche Mitmenschen so an, fragt man sich schon, wer deren Regeln verfasst hat, oder ob sie Regeln überhaupt für sinnvoll erachten. Benehmen Sie sich doch wie Bestien, dieser Begriff erscheint mir passend, weil sie als Tiere zu bezeichnen, wäre eine Beleidigung für die Tierwelt. Ich möchte da aber nun gar nicht auf einzelne Namen eingehen, zumal ich diesen Beitrag nicht mit politischem Geschwätz vergiften mag. Dennoch finde ich es schlimm, dass Menschen mit so wenig emotionaler Intelligenz und Verstand solch wichtige Positionen begleiten dürfen. Ich denke man muss sich dann nicht wundern, wieso Vieles so ist wie es eben ist.

Aber um diesem Irrsinn zu entfliehen, muss man auch einfach mal Fünfe grade sein lassen. Dem Clown den man gefrühstückt hat mal Auslauf geben. Eben einfach für einen Moment kindisch sein. Es heilt die Seele, schafft Platz, weil man negative Gedanken verdrängt. Und wenn die Seele erstmal durchgefegt ist, kann man sich auch wieder alltäglichem Wahnsinn hingeben.

Unsere Seele und unser Verstand, ich trenne das ganz gerne bewusst voneinander, sind wie Gläser. Irgendwann sind diese so voll, dass nichts mehr hinein passt. Daher ist es zwingend notwendig, durch eine Entleerung der Gefäße Platz zu schaffen. Es erleichtert, bringt Schwung und regeneriert Kräfte, welche wichtig für unser Bewusstsein sind. Erst wenn wir uns voll und ganz unserem Umfeld bewusst sind, uns Situationen stellen und uns behaupten können, sind wir ganz bei uns! Wenn es also dazu nur nötig ist, ab und an etwas Verrücktes zu tun und einfach mal Kind zu sein, dann sollte dies doch eine leichte Übung sein?

Gewiss nicht, denn wir verlernen es Kind zu sein. Wir sind so in unserem täglichen Trott verhaftet, dass wir uns nicht mehr wirklich daran erinnern, wie es sein mag Kind zu sein. Dabei ist gerade das so wichtig. Lachen, Spaß haben, völlig egal ob es einfach nur Blödsinn ist. Eine wunderbare Kissenschlacht, toben im Garten, sich blöde Grimassen schneiden und einfach herzlich darüber lachen. Es tut so unheimlich gut und befreit! Vor allem aber, wenn man sich diesem Versuch hingibt und man Erfolg hat, so erlangt man auch wieder Kreativität. Sei es nur sich seinen Alltag etwas umzustrukturieren oder gar eine Fähigkeit bei sich zu finden die ein Hobby, oder gar eine berufliche Veränderung bedeuten könnte. Warum nicht? Denkt mal darüber nach.

Natürlich würde ich mich wieder über Kommentare und Ideen von Euch freuen!

Euer Mark